Terroristen erpressen Frankreich
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Terroristen erpressen Frankreich

Die französische Regierung wird mit spektakulären Bombendrohungen gegen Bahnstrecken erpresst. Alle Sicherheitskräfte des Landes sind mobilisiert.

Eine angebliche Terrorgruppe erklärte, sie habe elf Sprengsätze versteckt, und leitete die Polizei zur Untermauerung ihrer Forderung nach mehreren Millionen Euro zu einer scharfen Bombe an der Linie Paris-Toulouse. Innenminister Nicolas Sarkozy sagte am Mittwoch, er nehme die Drohungen sehr ernst. Alle Sicherheitskräfte des Landes seien mobilisiert.

Am Montag scheiterte der Versuch einer Kontaktaufnahme. Er wisse nichts über die Gruppe AZF, die sich selber als Terrororganisation bezeichnet, sagte Sarkozy. In drei Erpresserschreiben an das Pariser Präsidialamt und das Innenministerium übte sie Kritik an der Globalisierung. Die Gruppe benannte sich offenbar nach der Chemiefabrik AZF in Toulouse, deren Explosion im September 2001 insgesamt 30 Menschen in den Tod riss.

Nach Polizeiangaben fordern die Erpresser vier Millionen Dollar und eine Million Euro. Sie erklärten, neun Bomben an Bahnstecken und zwei an symbolischen Orten gelegt zu haben. «Le Monde» berichtete, die Gruppe habe die Ermittler am 21. Februar mit exakten Daten des Navigationssystems GPS zu der Bombe im Gleisschotter einer Bahnstrecke bei Limoges geführt.

Der aus Nitrat und Öl bestehende Sprengsatz sei mit einem ausgefeilten Zündmechanismus versehen gewesen, teilte die Polizei mit. Sarkozy erklärte, die Bombe habe bei einer kontrollierten Explosion Schienen zerstört. «Le Monde» schrieb, die versteckten Sprengsätze seien den Tätern zufolge mit Zeitzündern versehen.

Behördenangaben zufolge dirigierten die Täter am Montagnachmittag einen Polizeihubschrauber auf einen Flugplatz südlich von Paris, wo er weiteren Informationen folgen sollte. Diese seien aber nicht gefunden worden. Laut «Le Monde» hatten die Erpresser zuvor verlangt, dass ein Hubschrauber auf dem Montparnasse-Hochhaus im Herzen von Paris landet. Die Regierung habe auf Anweisung der Täter auch eine Kleinanzeige in einer Zeitung geschaltet.

Die Staatsanwaltschaft Paris setzte einen Krisenstab ein. Sie ermittelt wegen Androhung von Schäden und Bildung einer kriminellen Vereinigung mit terroristischem Ziel. Minister Sarkozy und die Polizei kritisierten, dass eine Regionalzeitung die seit Tagen zirkulierenden Informationen über den Erpressungsversuch veröffentlichte und so die Fahndung erschwere.

Der Generaldirektor der nationalen Polizei, Michel Gaudin, sagte im Fernsehsender LCI, derzeit müssten keine besonderen Vorkehrungen für Bahnreisen getroffen werden. Sozialminister François Fillon betonte, er habe keine Angst, weiter Zug zu fahren. Er vertraue darauf, dass Innenminister Sarkozy die Sicherheit in Frankreich gewährleiste.

Deutsche Bahn 1998 erpresst

Ende 1998 hatte ein ehemaliger Eisenbahner in Deutschland Schienen gelockert und von der Deutschen Bahn 10 Millionen Mark gefordert. Wie durch ein Wunder gab es damals keine Verletzten oder Toten. Der Mann wurde bei der Geldübergabe gefasst und zu einer lebenslangen Haft verurteilt.

Bei der Terrorwelle in Frankreich 1995 versuchten algerische Extremisten, einen Sprengstoffanschlag auf die Schnellbahnstrecke zwischen Lyon und Paris zu verüben. Doch die Bombe explodierte nicht. (dapd)

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