Bewohner fliehen: Terroristen kapern Stadt in Mosambik – Armee befreit Menschen aus Hotel
Publiziert

Bewohner fliehenTerroristen kapern Stadt in Mosambik – Armee befreit Menschen aus Hotel

Die Situation in Mosambik eskaliert: Jihadisten haben eine Kleinstadt in Cabo Delago eingenommen und diese laut einem Bewohner «vollständig zerstört». Die Regierung schweigt dazu.

1 / 1
Terroristen haben eine Kleinstadt in der Provinz Cabo Delago in Mosambik in Besitz genommen. Mosambiks Präsident Filipe Nyusi (Bild) hat sich dazu bisher noch nicht geäussert.

Terroristen haben eine Kleinstadt in der Provinz Cabo Delago in Mosambik in Besitz genommen. Mosambiks Präsident Filipe Nyusi (Bild) hat sich dazu bisher noch nicht geäussert.

AFP

Darum gehts

  • Hunderte Bewohner der Kleinstadt Cabo Delago in Mosambik sind auf der Flucht vor Jihadisten.

  • Diese nahmen die Stadt ein, sprengten Geldautomaten und zerstörten Gesundheitseinrichtungen.

  • Rund hundert unfreiwillige Hotelgäste flüchteten an den Strand, wo sie das Militär abholte.

Terroristen haben eine Kleinstadt in der ölreichen Provinz Cabo Delago im Nordosten Mosambiks eingenommen. Hunderte Bewohner seien geflohen und eine unbekannte Zahl an Menschen sei getötet worden, sagte Adriano Nuvunga vom Zentrum für Demokratie und Entwicklung der Deutschen Presse-Agentur. Die Polizei sei aufgrund der seit Donnerstag anhaltenden Gewalt nicht in der Lage gewesen, den Ort zu erreichen. Wer hinter dem Angriff steht, war zunächst unklar.

Felisberto Chivinzane, ein Bewohner von Palma, der vor dem Angriff fliehen konnte, sagte der «dpa», der Ort sei «vollständig zerstört» worden. Demnach seien Banken und Geldautomaten mit Sprengstoff angegriffen und Militärkasernen sowie Gesundheitseinrichtungen zerstört worden. Die Regierung in Mosambik äusserte sich zunächst nicht zu dem Angriff.

Die Vereinigten Staaten verurteilten die Terroranschläge und die Gewalt gegen Zivilisten in der Provinz Cabo Delgado scharf. «Die Angriffe zeigen eine völlige Missachtung der Bevölkerung, die unter der brutalen und wahllosen Taktik der Terroristen enorm gelitten hat», teilte Regierungssprecher Ned Price mit.

«Fast die ganze Stadt» zerstört

Unklar war zunächst das Schicksal von dutzenden Menschen, die sich nach dem Überfall am Mittwoch in ein Hotel geflüchtet hatten. Den Berichten zufolge geriet ein Militärkonvoi in einen Hinterhalt, als er einen Teil von ihnen aus dem Hotel brachte. Unter den Evakuierten waren auch ausländische Beschäftigte des unter anderem vom französischen Ölriesen Total und dem US-Konzern ExxonMobil betriebenen Milliardenprojekts.

Nach Angaben von Augenzeugen flüchteten verängstigte Bewohner der Küstenstadt in einen nahegelegenen Wald, während Mitarbeiter der an dem Gasprojekt beteiligten Firmen im Amarula-Hotel Schutz suchten. Ein Mitarbeiter der Gasanlage sprach von vielen Toten. «Fast die ganze Stadt» sei zerstört. Rund hundert unfreiwillige Hotelgäste flüchteten laut dem Bericht an den Strand, wo sie in der Nacht zum Samstag von Militärschiffen abgeholt wurden.

Auch die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) meldete unter Berufung auf Augenzeugen mehrere Todesopfer. Zeugen hätten von auf der Strasse liegenden Leichen berichtet sowie von jihadistischen Kämpfern, die wahllos auf Menschen und Gebäude geschossen hätten.

Am Freitag gelang es der Armee nach Angaben des Sicherheitsvertreters, rund 80 Menschen in Lastwagen aus dem Hotel zu holen. Der Konvoi aus 17 Lastwagen sei kurz darauf angegriffen und mehrere Menschen seien getötet worden. Nur sieben Lastwagen schafften es laut dem Vertreter aus der Kampfzone. Was aus den anderen wurde, blieb zunächst unklar.

Jihadisten machen seit Jahren Terror

Von offizieller Seite wurden die Berichte zunächst nicht bestätigt. Die Regierung hatte am Donnerstag den jihadistischen Überfall bestätigt und eine Militäroffensive verkündet. Seitdem schwieg sie. Laut HRW stehen die Angreifer in Verbindung zu einer in Mosambik als Al-Schabab bekannten Jihadistengruppe, die jedoch keine direkten Verbindungen zu der gleichnamigen somalischen Jihadistenmiliz haben soll.

Palma liegt in der mehrheitlich von Muslimen bewohnten Provinz Cabo Delgado. Seit drei Jahren kommt es dort immer wieder zu Angriffen radikalislamischer Gruppen, bei denen den Berichten von NGOs zufolge mindestens 2600 Menschen getötet und 670’000 in die Flucht getrieben wurden.

(AFP/DPA/mur)

Deine Meinung