Terroristen standen unter Druck
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Terroristen standen unter Druck

Die Anschlagsvorbereitungen der drei am Dienstag festgenommenen Terrorverdächtigen waren möglicherweise konkreter als bisher bekannt.

Wie das Magazin «Focus» am Samstag vorab berichtete, hatten sie in Frankreich bereits drei gebrauchte Kleintransporter besorgt. Dem Magazin zufolge gehen BKA-Ermittler davon aus, dass die Transporter als Autobomben eingesetzt werden sollten. Eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft bestätigte der Nachrichtenagentur AP, dass Kleintransporter besorgt worden seien, bislang sei aber nicht belegt, dass es einen tatsächlichen Bezug zu den geplanten Anschlägen gebe. In dem Fall gebe es derzeit konkret zehn Beschuldigte, drei davon seien in Haft, gegen die sieben anderen werde ermittelt, sagte die Sprecherin Petra Kneuer. Klar sei aber auch, dass ein Netzwerk normalerweise aus mehr Personen bestehe.

Die «Welt» berichtete, dass der Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA), Jörg Ziercke, am Freitag auf der Sondersitzung der Innenministerkonferenz (IMK) von 49 Personen gesprochen habe, die im Zusammenhang mit dem Fall im In- und Ausland im Visier der Ermittler stünden. Kneuer bezeichnete diese Grössenordnung als «nicht unrealistisch».

Ein Bericht, wonach die drei inhaftierten Terror-Verdächtigen in den laufenden Vernehmungen hartnäckig schweigen, ist laut der Bundesanwaltschaft richtig. Die «Bild»-Zeitung hatte unter Berufung auf ranghohe Sicherheitskreise ausserdem berichtet, dass es noch keine belastbaren Erkenntnisse über den Verbleib der fünf bis sieben weiteren Personen aus dem Umfeld der drei Inhaftierten gebe. Die Mehrzahl solle sich ins Ausland abgesetzt haben. Verbindungen zu Pakistan?

Keine Stellung nehmen wollte die Sprecherin der Bundesanwaltschaft zu mutmasslichen Verbindungen nach Pakistan. Laut «Spiegel» und «Welt» wurden die Terror-Verdächtigen massiv unter Druck gesetzt, noch im September einen Anschlag in Deutschland zu verüben. Ende August habe das BKA den Telefonanruf eines Unbekannten aus Nordpakistan abgehört, der den deutschen Islamisten eine Frist von 14 Tagen gesetzt habe. Die Bundesanwaltschaft suche deswegen nach zwei Unbekannten mit den Decknamen «Sule» und «Jaf». Dorfpolizist soll Zugriff ausgelöst habenDie möglichen Ziele für einen Anschlag leiten die Ermittler laut «Spiegel» aus einer Autofahrt von Fritz G. und Adem Y. am 20. Juli ab: Auf dem Weg zu einem Chemikalienhändler in Hannover diskutierten die beiden Männer, welche Ziele man ins Auge fassen könne. Genannt wurden neben Flughäfen auch Nachtclubs oder eine Disco «mit amerikanischen Schlampen». Weil das BKA das Auto dem Bericht zufolge verwanzt hatte, konnten die Ermittler den Dialog abhören. Auch das Ferienhaus im Sauerland wurde mit einem Grossen Lauschangriff abgehört.

Der Zugriff am vergangenen Dienstag habe dann auch aus einer Polizeipanne resultiert: Als die drei Verdächtigen zufällig in eine Kontrolle gerieten, entfuhr einem Dorfpolizisten bei der Überprüfung, die Männer stünden «ja auf der Liste des BKA». Das hätten nicht nur Fritz G., Adem Y. und Daniel S. in dem verwanzten Auto, sondern auch die live lauschenden BKA-Beamten gehört, schreibt der «Spiegel.

Wie entschlossen die Verdächtigen offenbar waren, zeigt sich dem Magazin zufolge angesichts der Tatsache, dass sie die laufende Observation offenbar bemerkten. So sei einer der Islamisten einmal an einer roten Ampel ausgestiegen und habe seelenruhig die Reifen eines Verfolger-Wagens des Verfassungsschutzes aufgeschlitzt. (dapd)

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