29.08.2020 09:58

Wie im ThrillerTesla wehrt russischen Hacker-Angriff ab

Der Autobauer war kürzlich das Ziel einer russischen Hacker-Gruppe – der Angriff konnte dank einer filmreifen Überwachungsoperation verhindert werden.

von
Raphael Knecht
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Hacker versuchten, die IT der Tesla-Fabrik in Nevada zu infiltrieren.

Hacker versuchten, die IT der Tesla-Fabrik in Nevada zu infiltrieren.

KEYSTONE
Ein Mitarbeiter meldete den Plan dem FBI, und er konnte so vereitelt werden.

Ein Mitarbeiter meldete den Plan dem FBI, und er konnte so vereitelt werden.

imago/Manfred Siebinger
Elon Musk bedankte sich beim Mitarbeiter, der im FBI-Bericht anonym bleibt, auf Twitter.

Elon Musk bedankte sich beim Mitarbeiter, der im FBI-Bericht anonym bleibt, auf Twitter.

KEYSTONE

Darum gehts

  • Eine russische Hacker-Gruppe versuchte, mithilfe eines Tesla-Angestellten die Fabrik in Nevada anzugreifen.
  • Doch der Mitarbeiter meldete sich beim Autobauer.
  • Mithilfe des FBI konnte der Plan vereitelt werden.

Der FBI-Bericht liest sich wie ein Hollywood-Thriller: Der russische Hacker Egor Igorevich Kriuchkow reiste im Juli mit einem Touristenvisum nach New York und von dort weiter nach San Francisco. Mit einem Mietauto fuhr er dann nach Nevada und traf sich mit einem Russisch sprechenden Angestellten der dortigen Tesla-Fabrik.

Zuerst gingen die beiden, zusammen mit weiteren Bekannten von Kriuchkow, auf verschiedene Ausflüge. Der Russe zahlte dabei für sämtliches Essen und Unterhaltung. Er habe das Geld im Glücksspiel gewonnen, war die Erklärung. Dem Tesla-Angestellten, der im Bericht anonym bleibt, fiel auf diesen Ausflügen auf, dass Kriuchkow keine Fotos machte und auch nicht auf Gruppenbildern sein wollte.

«Kruichkow sagte, er wolle auf keinen Bildern zu sehen sein.»

Michael J. Hughes, FBI-Agent

Am 3. August, nachdem Kriuchkow und der Tesla-Angestellte bis tief in die Nacht in einer Bar getrunken hatten, verriet der Russe dann sein wahres Vorhaben: Er bot seinem Gast 500’000 Dollar an, wenn er ihm helfe, Erpressersoftware ins Computersystem des E-Auto-Bauers einzuschleusen. Der Fabrikmitarbeiter zeigte sich interessiert, informierte daraufhin aber seinen Arbeitgeber. Tesla wandte sich an das FBI. Zusammen mit dem Angestellten heckten die Behörden einen Plan aus, um den 27-jährigen Hacker zu überführen.

Am 7. August verlangte Kriuchkow ein weiteres Treffen. Dazu schickte er seinem vermeintlichen Komplizen eine Adresse. Dass auch ein Überwachungsteam des FBI an das Meeting kommen würde, wusste der russische Hacker nicht.

Börsenwert

Tesla ist der wertvollste Autobauer der Welt

Dank des anhaltenden Höhenflugs der Aktie ist Tesla der Autobauer mit dem weltweit höchsten Börsenwert. Das Unternehmen von Elon Musk erreichte im Juli eine Marktkapitalisierung von rund 210 Milliarden Dollar. Der profitabelste Autobauer und bisherige Spitzenreiter Toyota kommt nur auf etwa 201 Milliarden Dollar. Die deutschen Rivalen BMW, Daimler und Volkswagen werden an der Börse zusammengerechnet mit gerade einmal 112 Milliarden Dollar bewertet.

Dieses und weitere Meetings wurden von den Behörden aufgezeichnet. In den Gesprächen erklärte Kriuchkow den Ablauf seines Plans im Detail. Zudem gab er seinem vermeintlichen Komplizen ein Handy, damit er mit der Hacker-Gruppe in Kontakt treten könne. Der Tesla-Mitarbeiter forderte allerdings mehr Geld und Bezahlung im Voraus.

«Kriuchkow bezeichnete das Handy als ‹clean›.»

Michael J. Hughes, FBI-Agent

Nach mehreren Meetings und langem Hin und Her erklärten sich die Russen bereit, eine Million zu zahlen, einen Teil davon im Voraus. Kriuchkow erklärte, er müsse selbst auf einen Teil seiner Bezahlung verzichten, wenn der Tesla-Angestellte eine Million Dollar erhalten sollte. Für die erhöhte Bezahlung forderten die Hacker nun, dass der Mitarbeiter weitere Informationen über die Firma und deren Netzwerk liefert.

Am 19. August bat Kriuchkow den Tesla-Angestellten, ein Codewort zu wählen, wohl um ein Bitcoin-Wallet zu erstellen. Die Zahlung sollte in den kommenden Tagen erfolgen.

«Der Angestellte wählte das Codewort ‹DeadSpace22›.»

Michael J. Hughes, FBI-Agent

Kurz darauf, am 21. August, erklärte Kriuchkow in einem letzten Treffen, das gesamte Hacking-Projekt habe sich verzögert. Er werde das Land verlassen. Ob die Russen kalte Füsse bekommen hatten, ist nicht klar. Dem Tesla-Angestellten wurde als Erklärung lediglich gesagt, die Gruppe konzentriere sich gerade auf ein anderes Projekt im Endstadium.

Der Tesla-Angestellte solle das Handy, das er vom Russen erhalten hatte, im Flugzeugmodus lassen. Erst wenn er von einem speziellen Whatsapp-Account auf dem persönlichen Handy einen Smiley geschickt bekomme, solle er das zweite Smartphone aktivieren.

Dazu kam es jedoch nie: Kriuchkow wurde verhaftet, als er am 22. August in Los Angeles versuchte, das Land zu verlassen. Die Zusammenfassung der überwachten Treffen mit dem Russen wurden daraufhin vom FBI in einem Bericht veröffentlicht. CEO Elon Musk äusserte sich in einem Twitter-Post knapp, aber dankbar über die Hilfe, die sein Unternehmen vom Angestellten erhalten hatte: «Das schätze ich sehr. Es war ein ernst zu nehmender Angriff.»

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173 Kommentare
Kommentarfunktion geschlossen

Dister

30.08.2020, 12:33

Hmm, wen kümmert es so genau wenig wie die USA überall Wirtschaftsspionage betreibt und unglaublichem umfang. Der arme Elon, vielleicht testet er ja gerade seine neue Errungenschaft an sich selber.

TaTaaa

30.08.2020, 12:05

Hoi zame! Gestern wurden diese Kommentare von der Red. geschlossen und heute sind sie wieder offen. Könnt ihr mir sagen wieso wurde er gestern überhaupt geschlossen?

Oli

30.08.2020, 11:53

Esheisst Budestag nicht Reichstag! ihr Pfeiffen