Aktualisiert 07.11.2013 15:58

Ehrgeiziges Projekt

Tessin will aus 135 Gemeinden 23 machen

Der Kanton Tessin will seine Anzahl Gemeinden drastisch reduzieren. Kantonsregierung stellte in Bellinzona ein Konzept vor, welches nur noch 23 Gemeinden statt der aktuell 135 vorsieht.

Das Tessin will den Zusammenschluss von kleinen Gemeinden.

Das Tessin will den Zusammenschluss von kleinen Gemeinden.

Im Kanton Tessin soll die Zahl der Kommunen drastisch reduziert werden. Die Kantonsregierung stellte am Donnerstag in Bellinzona ein Konzept vor, das noch 23 Kommunen vorsieht. Heute gibt es im Südkanton 135 Gemeinden.

Das Vorhaben erscheine zwar ehrgeizig, doch es sei machbar, schrieb der Staatsrat: Fünf Grossgemeinden hätten sich schon gebildet, etwa im Bleniotal. In weiteren fünf Fällen - in zwei Teilen der Leventina sowie in den Regionen Bellinzona, Verzasca und Onsernone - sei der Prozess in der Studienphase oder werde umgesetzt.

Grosse Unterschiede

Zwischen der bevölkerungsmässig kleinsten und grössten Gemeinde bliebe der Unterschied mit der Neuorganisation gross: Im geplanten Raum «Luganese» lebten 2011 knapp 91'500 Menschen. Kleinste Einheit wäre die Gemeinde «Onsernone» mit rund 750 Einwohnern im Jahr 2011. Diese Grössenunterschiede seien historisch und geografisch begründet, schreibt der Kanton dazu.

Als Variante legt die Regierung zudem ein Konzept mit gerade noch 13 Gemeinden vor. Mit ihm würden zum Beispiel die Leventina und das Maggiatal zu je nur noch einer Gemeinde. Zur Gemeinde «Locarnese e valli» würden das Onsernonetal und das Centovalli geschlagen. Diese Täler sind in der Variante mit 23 Gemeinden eigene Gemeinden.

Nicht vor 2020

Der Staatsrat will mit der Neuorganisation den Kanton für die Zukunft rüsten, wie er schrieb. Hauptziel sei es, das Gleichgewicht zwischen Kanton und Gemeinden wieder herzustellen und die Kommunen funktionsfähig, finanziell solid und autonom zu halten.

Die Neuorganisation des Tessin wird nicht vor 2020 Realität, wie die Regierung dem Tessiner Radio und Fernsehen RSI sagte. Im Bericht zum Projekt ist die Rede vom Kanton Tessin mit dem Luganese als Zentrum von nationaler Bedeutung und den kantonalen Zentren Bellinzona, Locarno und Mendrisio-Chiasso in den Jahren 2020 bis 2025.

Immer wieder Gemeindezusammenschlüsse

Im Tessin schlossen sich in den vergangenen Jahren immer wieder Gemeinden zusammen. 1998 gab es im Südkanton noch 245 Kommunen, derzeit sind es 135. Doch es gab auch Widerstand: Im September 2011 zum Beispiel vermochte eine geplante Gemeinde Gross-Locarno die Stimmberechtigten nicht zu überzeugen.

Das Konzept für die Neuorganisation gibt der Staatsrat nun bis zum 10. März 2014 in eine erste Vernehmlassung. Äussern können sich die 135 Gemeinden im Kanton, Gemeindeverbände, Parteien und Verbände der Zivilgesellschaft. Nach einer zweiten Vernehmlassung zur Umsetzung des Konzepts wird der Grosse Rat darüber befinden.

Radikale Glarner

Gemeindefusionen sind auch andernorts ein Thema. Am radikalsten gingen bisher die Glarner vor: Per Anfang 2011 wurden die 25 Gemeinden im Bergkanton zu noch drei Gemeinden. Die Neuorganisation hatte die Landsgemeinde gegen den Willen von Regierung und Parlament 2006 beschlossen und 2007 bestätigt.

Im Kanton Freiburg könnte die Zahl der Gemeinden von 164 auf 35 sinken. Im vergangenen Juni genehmigte die Kantonsregierung die von den Oberamtmännern der sieben Bezirke ausgearbeiteten Fusionspläne. Landesweit nahm die Zahl der Gemeinden zwischen den Jahren 2000 und 2013 von über 3000 auf rund 2400 ab. (sda)

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