Weniger Bürokratie: Tessin zieht italienische Unternehmer an

Aktualisiert

Weniger BürokratieTessin zieht italienische Unternehmer an

Die rigide Steuerverfolgungspraxis in Italien treibt immer mehr Unternehmer ins Tessin. Auch das Modelabel Gucci.

von
Leo Hug
Gucci-Shop in Mailand: Das Unternehmen baut in Manno bei Lugano ein Logistik-Zentrum.

Gucci-Shop in Mailand: Das Unternehmen baut in Manno bei Lugano ein Logistik-Zentrum.

Italiens Bürokratie war immer schon ermüdend. Jetzt kommt noch die Jagd nach Steuersündern hinzu. Kein Wunder flüchten immer mehr italienische Unternehmer ins Tessin. 105 der 230 seit 1997 neu gegründeten Tessiner Unternehmen haben italienische Wurzeln.

Claudio Cavadini, Gemeindepräsident von Stabio, erhält derzeit für die im südlichsten Zipfel gelegene Gemeinde von italienischen Firmen im Schnitt eine Ansiedelungsanfrage pro Woche. Laut einem Insider machen kantonale und kommunale Steuern im Tessin 20 Prozent aus. «In Italien sind es 46 Prozent», so der Branchenkenner.

Tessin soll zum Kompetenzzentrum werden

Einer, der sich für Stabio entschieden hat, ist Maurizio Crivellari. Er hat 2009 seine Logistikfirma gegründet und beschäftigt nun 50 Festangestellte: «Ich bin nicht bereit, mehr als ein Viertel meiner Zeit für Administration und Bürokratie aufzuwenden. In anderen Ländern verliert man damit über 50 Prozent.» Das Spektrum der neuen Industrien im Tessin ist breit und reicht von Lebensmitteln über Informatik bis zur Kleiderbranche.

Stefano Rizzi, Leiter des Amtes für Wirtschaft im Finanzdepartement, möchte die Gunst der Stunde nutzen. Das Tessin soll zum Kompetenzzentrum für Luxuslabels werden. Hugo Boss, ­Guess und Ermenegildo Zegna sind bereits im Südkanton präsent. Gucci baut zurzeit in Manno bei Lugano ein Logistik-Zentrum. Von Steuerflucht will man bei Gucci aber nicht direkt reden. «Das Tessin ist absolut zentral gelegen in Europa», heisst es in der Zentrale in Paris.

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