Aktualisiert 01.04.2020 09:45

Versammlungsverbot

Asylzentrum ignoriert Social Distancing

Die Anlagen haben nur wenig Raum zur Verfügung. Dennoch müssen die Massnahmen umgesetzt und die Asylbewerber vor dem Coronavirus geschützt werden.

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In einem Asylzentrum im Tessin kam es am Freitag zu einer grösseren Menschenansammlung.

In einem Asylzentrum im Tessin kam es am Freitag zu einer grösseren Menschenansammlung.

tio/20minuti
Das Staatssekretariat für Migration (SEM) begründet die Ansammlung damit, dass es sich um eine kurze, aber wichtige Informationsveranstaltung zum Thema Gesundheit gehandelt habe.

Das Staatssekretariat für Migration (SEM) begründet die Ansammlung damit, dass es sich um eine kurze, aber wichtige Informationsveranstaltung zum Thema Gesundheit gehandelt habe.

SEM
Das SEM ist mit der Herausforderung konfrontiert, die Verbreitung des Coronavirus in seinen Asylzentren einzudämmen, obwohl dort die Menschen auf engem Raum zusammenleben.

Das SEM ist mit der Herausforderung konfrontiert, die Verbreitung des Coronavirus in seinen Asylzentren einzudämmen, obwohl dort die Menschen auf engem Raum zusammenleben.

Keystone/Peter Schneider

Die Massnahmen zur Eindämmung des Coronavirus gelten auch für das Staatssekretariat für Migration (SEM) und müssen auch in den von ihm betriebenen Asylzentren durchgesetzt werden. Dass das nicht so einfach ist, zeigt ein Bericht von «tio/20minuti». Vor einer temporären Anlage im Tessin kam es am vergangenen Freitag zu einer Menschenansammlung.

Das SEM rechtfertigt sich auf Anfrage der Plattform: Es habe sich um eine wichtige Informationsveranstaltung zum Thema Gesundheit gehandelt. Diese habe im einzigen grossen Raum stattgefunden, der zur Verfügung stehe. Man habe den Anlass kurz gehalten und versucht, die Teilnehmer voneinander zu trennen, ohne Familien aufzuspalten.

Das Bundesasylzentrum Tessin bietet 350 Plätze an zwei Standorten, einmal 220 in einer Anlage zwischen Balerna und Novazzono und einmal 130 in Chiasso. Laut dem SEM liegt die Auslastung derzeit bei 60 Prozent, wie «tio/20minuti» schreibt. Vor Ort seien zudem 26 Mitarbeiter des SEM sowie 18 Securitas tätig.

Betten fast verdoppelt

Das SEM habe in der ganzen Schweiz die Anzahl der Betten in Asylzentren von rund 2200 auf 4000 erhöht, um die Asylsuchenden auf mehr Räume verteilen zu können, heisst es im Artikel weiter. Zusätzlich zu den strukturellen Massnahmen würden die Mitarbeiter sensibilisiert und Informationsmaterial in 15 Sprachen den Bewerbern zur Verfügung gestellt.

Die Mitarbeiter müssten zudem «je nach Situation» Schutzmasken, Schutzbrillen, Schutzanzüge und Handschuhe tragen. Für die Asylbewerber gälten hingegen keine derartigen Massnahmen; sie dürften die Zentren ohnehin höchstens in Zweiergruppen verlassen.

Weniger als 15 Infizierte

Gemäss «tio/20minuti» seien weniger als 15 Asylbewerber in der Schweiz positiv auf das Coronavirus getestet worden. Genauere Informationen gebe das SEM nicht heraus. Personen der Gefahrengruppe würden getrennt untergebracht und positiv Getestete isoliert.

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