Geldwäscherei: Tessiner Finanzplatz am Pranger
Aktualisiert

GeldwäschereiTessiner Finanzplatz am Pranger

Schwarzgeldprozess im italienischen Como: Tessiner Banker und Treuhänder sollen ihren italienischen Kunden geholfen haben, mehr als 30 Millionen Euro auf Schweizer Bankkonten zu verstecken.

Zu den Hauptangeklagten gehören Banker aus dem Tessin, die zum mutmasslichen Tatzeitraum wichtige Positionen unter anderem bei der Banca Arner (Bild), der Finter Zurich oder der Bank Wegelin inne hatten.

Zu den Hauptangeklagten gehören Banker aus dem Tessin, die zum mutmasslichen Tatzeitraum wichtige Positionen unter anderem bei der Banca Arner (Bild), der Finter Zurich oder der Bank Wegelin inne hatten.

In einem umfangreichen Geldwäscherei-Prozess, der am Donnerstag in Como (I) fortgesetzt wird, steht der Tessiner Finanzplatz am Pranger. Unter den 49 Angeklagten sind mehrere Schweizer, denen vorgeworfen wird, sich von 2003 bis 2007 an einem komplexen Geldschmuggler-Ring beteiligt zu haben.

Die damaligen Banker und Treuhänder sollen ihren italienischen Kunden geholfen haben, mehr als 30 Millionen Euro Schwarzgeld auf Schweizer Bankkonten zu verstecken, wie aus der Anklageschrift hervorgeht. Das Geld sei dem italienischen Fiskus vorenthalten worden. Insgesamt 49 Personen aus der Schweiz und Italien müssen sich deshalb wegen Beteiligung an einer kriminellen Vereinigung und Geldwäscherei vor dem Kollegialgericht in Como verantworten.

Zu den Hauptangeklagten gehören Banker aus dem Tessin, die zum mutmasslichen Tatzeitraum wichtige Positionen unter anderem bei der Banca Arner, der Finter Zurich oder der Bank Wegelin inne hatten. Der Prozess richtet sich auch gegen damalige Mitarbeiter der Banca Cial, BPS Suisse und der Euromobiliare.

Transport in Geheimfächern von Autos

«Die Schweizer Banker haben dazu beigetragen, das Wirtschaftssystem zu verschmutzen», kommentierte der italienische Ermittlungsrichter seinen Entscheid zur Anklageerhebung. Die Kadermitglieder grosser Kreditanstalten hätten als Drahtzieher und Organisatoren einer kriminellen Vereinigung gewirkt.

Um das Schwarzgeld ihrer Kunden in die Schweiz zu schaffen, sollen die Banker mit professionelle Boten, so genannten «spalloni», zusammengearbeitet haben. Diese Helfer hätten über Schmuggel-Erfahrung verfügt und den Transport in extra umgebaute Autos mit Geheimfächern ausgeführt.

Banken beauftragten Boten

Mehrere dieser mutmasslichen Kuriere stehen ebenfalls vor Gericht. Telefon-Abhörprotokolle der italienischen Finanzpolizei sollen beweisen, dass ihnen die Aufträge direkt von den Bankmitarbeitern erteilt wurden.

Die Angeklagten weisen jede Schuld von sich. Ihre Anwälte kündigten an, die Geldwäscherei-Vorwürfe zu entkräften. Der Prozess, der im Oktober begann, wird voraussichtlich über mehrere Monate andauern. Der Termin der Urteilsverkündung ist noch nicht absehbar. (sda)

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