Gotthard blockiert: Tessiner Spitälern geht der Sauerstoff aus
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Gotthard blockiertTessiner Spitälern geht der Sauerstoff aus

Nach der Sprengung am Gotthard ist die befürchtete Lastwagen-Lawine bislang ausgeblieben. Doch es gibt Engpässe beim Transport von Gefahrgut. Tessiner Spitälern droht gar eine Sauerstoffknappheit.

Rund 200 zusätzliche Camions fahren täglich durch den Strassentunnel am Gotthard. Das ist weniger, als befürchtet wurde. Weil aber Gefahrgut nicht durch den Gotthard-Strassentunnel transportiert werden darf, wie Thomas Rohrbach, Sprecher des Bundesamts für Strassen (ASTRA) am Dienstag auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA sagte, und weil über den Pass keine Sattelschlepper fahren können, gibt es einen Engpass beim Transport von Gefahrgut.

Probleme gibt es laut Rohrbach etwa bei der Versorgung der Tessiner Spitäler mit Sauerstoff. Das ASTRA suche derzeit nach Lösungen, sagte der Sprecher. Eine Möglichkeit, die geprüft wird, ist die nächtliche Schliessung des Gotthard-Strassentunnels für den normalen Verkehr, um einen begleiteten Konvoi mit Gefahrgut passieren zu lassen.

Arbeiten am Fels

Anfang Juli sollte dann die Gotthard-Bahnstrecke wieder befahrbar sein. Einen Tag nach der Felssprengung in Gurtnellen sind die Räumungsarbeiten im Gang. Bevor die Bahnlinie repariert werden kann, muss das lockere Gestein oberhalb der Baustelle von Hand gelöst werden.

Felssprengung in Gurtnellen

Danach werden Fangnetze aufgebaut, um die Sicherheit der Bauarbeiter zu gewährleisten, wie SBB-Sprecher Christian Ginsig der SDA sagte. Erst danach könnten die Reparaturarbeiten an der Bahninfrastruktur beginnen. Beschädigte Geleise, Fahrleitungsmasten und Signalanlagen müssen ausgewechselt, in Betrieb genommen und getestet werden.

Laut Ginsig gab es durch die Sprengung keine weiteren Schäden am Bahntrassee. Dafür sorgten spezielle Schutzvorrichtungen, die die herabstürzenden Brocken auffingen. Die SBB geht darum weiterhin davon aus, die Gotthard-Bahnlinie am Abend des 2. Juli wieder in Betrieb nehmen zu können. Die Details der Planung sollen am Dienstagabend festgelegt werden.

Hohe Kosten

Noch weit weniger klar als der Fahrplan sind die Kosten, die der SBB durch den Felssturz vom 5. Juni entstehen. Das Bahnunternehmen geht laut Ginsig derzeit von einem «zweistelligen Millionenbetrag» aus. Darin enthalten sind die Kosten für die Arbeiten am Fels, die Reparatur des Bahntrassees, die Ausfälle im Güterverkehr und die Umleitungen. Noch offen ist die Frage, ob die SBB ihren Kunden gegenüber für Verspätungen oder zusätzliche Kosten haftet.

Die Ausfälle sind beträchtlich. Von den 120 Güterzügen, die normalerweise pro Tag über die Gotthard-Achse rollen, können nur 45 über die Lötschberg-Simplon-Achse geführt werden. Die Zusammenarbeit mit den übrigen Bahntransportunternehmen schätzt Ginsig aber als gut ein. Die zusätzlichen Kapazitäten am Simplon seien entsprechen dem Verkehrsaufkommen am Gotthard verteilt worden.

Am Montagmorgen hätten in Deutschland lediglich 20 Güterzüge auf die Durchfahrt durch die Schweiz gewartet. «Der Rest fährt», sagte Ginsig.» Welcher Teil dieser per Bahn durch Frankreich oder Österreich fährt und welcher auf der Strasse transportiert wird, konnte der SBB-Sprecher aber nicht sagen.

Die befürchtete Lastwagen-Flut am Gotthard ist jedenfalls ausgeblieben. Laut ASTRA-Sprecher Rohrbach fahren seit der Sperrung der Bahnlinie 5 bis 10 Prozent mehr Lastwagen durch den Gotthard. Waren es vorher 2500 bis 2800 Camions pro Tag, sind es nun rund 200 mehr.

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