Aktualisiert 02.04.2020 12:06

Coronavirus

Tessiner wollen Gotthard und Bernardino schliessen

Deutschschweizer sollen über Ostern nicht ins Tessin fahren können, fordern Tessiner Gemeindepräsidenten. Deshalb sollten die Zufahrten in den Süden geschlossen werden.

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bz/spi

Die Gemeindepräsidenten des Malcantone fordern, dass die Zufahrten für Personen aus der Richtung des Gotthards und des San Bernardinos geschlossen werden. Giovanni Cossi, Präsident der Präsidentenkonferenz, bestätigt dies gegenüber Tio.ch. «Wir haben volle Spitäler und sind am Ende. Wir müssen verhindern, dass die Deutschweizer über Ostern zu uns kommen», sagt er. Dank der Massnahme soll das Tessiner Gesundheitssystem nicht zusätzlich belastet werden.

Es handle sich dabei um eine gemeinsame Entscheidung, sagt Giovanni Berardi, Gemeindepräsident von Alto Malcantone und Tessiner Grossrat. «Es war eine Entscheidung des Komitees unserer Präsidentenkonferenz.» Bereits in den letzten Tagen riefen die kantonalen Behörden wiederholt dazu auf, nicht in die Ferienorte zu fahren. Vor allem in den Dörfern im Schatten des Monte Lema befinden sich zahlreiche Zweitwohnungen. Zwischen Breno und Arosio etwa beträgt der Anteil der Ferienhäuser über 20 Prozent.

«Sie machten es aus Gewohnheit»

Zur Forderung entschlossen sich die Gemeindepräsidenten auch aufgrund von Beobachtungen. «In meiner Gemeinde sah ich in den letzten Tagen drei, vier Familien aus der Deutschschweiz. Sie wussten, dass sie nichts Gutes taten. Sie machten es aus Gewohnheit. Zudem sind es alles Senioren, was es noch viel gefährlicher macht», sagt Cossi, Gemeindepräsident von Vernate.

In der Folge habe er bei einigen an die Türe geklopft, so Cossi. «Sie antworteten mir, dass es ja nicht verboten sei, ins Tessin zu kommen.» Cossi selber hält sich strikt an die Empfehlungen der Behörden. «Seit dem 7. März gehe ich ausser für die Sitzungen in der Gemeinde nicht mehr aus dem Haus.» An den Sitzungen nähmen jeweils höchstens fünf Personen teil. Abgesehen des Sekretärs bleibe abwechslungsweise jemand zuhause.

Einkaufsverbot für über 65-Jährige

Giovanni Berardi, Gemeindepräsident von Alto Malcantone, macht darauf aufmerksam, dass der strengere Lockdown im Tessin für die Touristen unangenehm sein könnte. Etwa gebe es in den Läden ein Einkaufsverbot für über 65-Jährige. Auch könne man die Touristen abschrecken, indem man sie bete, so wenig wie möglich unterwegs zu sein.

Laut Berardi geht es auch darum, die lokale Versorgung zu schützen. «Nur ein Corona-Fall in einem Dorfladen würde dessen Schliessung bedeuten.» Jetzt müsse man zwei bis drei Wochen den Gürtel enger schnallen, erklärt Berardi. Danach gebe es eine leichte Lockerung. Der Malcantone empfange die Gäste gerne wieder, sobald das Gewitter vorüber sei, hält er fest.

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