Bundesratswahl: Tessiner wollen neun Bundesräte
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BundesratswahlTessiner wollen neun Bundesräte

Der 112. Bundesrat, dessen Wahl am Mittwoch erfolgt, wird sehr wahrscheinlich kein Tessiner sein. Damit die Südschweiz grössere Chancen auf einen Sitz im Bundesrat hat, soll dieser vergrössert werden.

Am meisten Nachdruck verleiht der Forderung die Tessiner CVP, die vergeblich versucht hatte, Justizminister Luigi Pedrazzini als Kandidat für die Couchepin-Nachfolge ins Rennen zu schicken.

«Zwei zusätzliche Minister, um dem Tessin mehr Platz im Bundesrat zu geben?», titelte das CVP-Blatt «Popolo e Libertà» in seiner jüngsten Ausgabe. Ignazio Cassis (FDP), der Präsident der Tessiner Deputation in Bern, beantwortet diese Frage mit einem Ja.

Aufstockung liegt in der Natur der Sache

Für die nationale Kohäsion sei es wichtig, dass im Bundesrat auch ein Vertreter der italienischen Schweiz vertreten sei, sagte Cassis am Montag auf Anfrage. Eine Aufstockung der Landesregierung von 7 auf 9 Mitglieder liege zudem in der Natur der Sache, schliesslich habe der Staat heute deutlich mehr Aufgaben zu bewältigen als noch vor 150 Jahren.

«Ein Bundesrat muss mittlerweile ein Superman sein, wenn er alle Dossiers überblicken will», sagt Cassis, der für eine Aufsplittung der Departemente plädiert. In anderen Ländern gebe es schliesslich auch mehr als bloss sieben Minister.

Besseres Lobbying gefordert

Um der italienischen Schweiz mehr Gewicht zu verleihen, werden im Tessin auch noch andere Vorschläge diskutiert. Staatsrat Pedrazzini beispielsweise regte die Schaffung eines Amtes an, das sich um die «Aussenbeziehungen» des Kantons kümmert - sowohl in Bern als auch in Italien. Doch diese Idee stiess bisher auf wenig Gegenliebe. Das koste viel und bringe wenig, lautete am Wochenende der Tenor aus dem Lager der FDP und der SP.

Lobbyieren müsse man in Bern, nicht in Bellinzona, sagt Cassis dazu. Das Tessin müsse sich an Kantonen wie Uri, Waadt oder Neuenburg orientieren, die in Bern ein perfektes Lobbying betreiben würden.

Von FDP-Präsident Giovanni Merlini wiederum stammt die Idee, in Bern ein «Tessiner Haus» zu errichten, um von dort aus ein Netzwerk aufbauen zu können. Andere Stimmen fordern die Tessiner Regierung auf, während den Sessionen zwecks Lobbying nach Bern zu reisen.

Permanente Zerstrittenheit

Für die Tageszeitung «laRegioneTicino» liegt es jedoch nicht am fehlenden Netzwerk, dass das Tessin seit dem Rücktritt von Flavio Cotti im Jahre 1999 nicht mehr im Bundesrat vertreten ist.

Schuld an diesem Zustand sei vielmehr die ständige Zerstrittenheit unter den Parteien, schrieb der Chefredaktor des Blattes kürzlich in einem Kommentar.

Mit Fulvio Pelli, Luigi Pedrazzini oder Dick Marty habe das Tessin durchaus valable Kandidaten zu bieten. Doch damit diese eine Chance hätten, gewählt zu werden, müsse nicht nur die kantonale Sektion einer Partei hinter ihnen stehen, sondern der ganze Kanton.

«Lieber tot als Marty»

Eine Bestätigung für diese These lieferte am Sonntag das Lega- Blatt «il Mattino», das eine Breitseite gegen Dick Marty abfeuerte. Der FDP-Ständerat gilt als einziger Tessiner Vertreter, dem am 16. September (geringe) Wahlchancen attestiert werden.

Er ist der Lega jedoch wegen seiner EU-freundlichen Haltung ein Dorn im Auge. «Meglio morti che Marty!!!», lautete daher die Schlagzeile im «Mattino». Auf deutsch: «Lieber tot als Marty».

(sda)

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