Aktualisiert 15.02.2006 21:18

BlackTest in Bukarest

Zur Lancierung des Action-Games Black luden die Hersteller einige Journalisten zum Testballern in die rumänische Hauptstadt. Ein Erfahrungsbericht.

Ein eiskalter Wind fegt durch die Strassen. Halb zerfallene Gebäude mit barocken Fassaden zerbröckeln zwischen verrussten, dunkelgrauen Betonmonstern. Der Asphalt ist mit Löchern übersät, als hätten Bomben eingeschlagen. Ausgemergelte Gestalten in schäbigen Kleidern huschen über das Flickwerk und starren aus eingefallenen Gesichtern die beiden Typen an, die mit hochgeschlagenem Kragen einem Gebäude zustreben. Plötzlich krachen Schüsse, dringen Schreie aus den Fenstern. Unbeeindruckt davon betreten die beiden Männer das Gebäude.

Ein Videospiel? Keineswegs. Es ist Mitte Januar, wir befinden uns mitten in Bukarest, der Hauptstadt Rumäniens, und die beiden Männer sind Journalisten. Sie gehören zu einer Gruppe von Game-Kritikern, die sich gerade in einem alten Kolonialgebäude bei Minustemperaturen wie Kinder im Sandkasten vergnügen. Sie verschiessen mit echten AK-47 und Uzis Platzpatronen, lassen sich unter der Aufsicht von Stuntleuten kreischend auf dicke Matten fallen und werden dabei gefilmt, wie sie eine Action-Szene nachstellen. Electronic Arts und Criterion Studios haben Bukarest als Kulisse gewählt, um den düsteren Ego-Shooter Black vorzustellen.

Drei Minuten vom Gebäude entfernt, im geheizten Hotel Hilton: Black-Erfinder und Lead-Designer Craig Sullivan, Produzent Jeremy Chubb und Script-Writer Guy Miller stellen sich den Fragen derjenigen Journalisten, die gerade nicht mit Schiessen beschäftigt sind.

Weshalb haben Sie ausgerechnet Osteuropa als Szenerie für Black gewählt?

Chubb: Wir wollten einen glaubwürdigen, authentischen Ort für das Spiel. Osteuropa wurde noch nicht oft als Kulisse für Videogames gewählt, und wir fühlten einfach, dass sich die Gegend hervorragend eignen würde. Es schien uns ein guter Ort, um Dinge in die Luft zu jagen und Leute zu erschiessen.

Osteuropäer als die bösen Buben von heute – ist dieses Feindbild nicht veraltet?

Miller: Der Hauptfeind ist ein amerikanischer Terrorist. Die Story handelt nur zufälligerweise in Osteuropa.

Chubb: Wir hätten das Game auch auf dem Mars ansiedeln können (lacht).

Du meinst wie Doom?

Chubb: Keine Ahnung. Bei uns stehen die Waffen im Mittelpunkt. Wir wollten Feuergefechte im Stil von Hollywood-Filmen einbauen und suchten nach einer Location, wo dies glaubwürdig wirkt.

Themawechsel: Welches ist der lustigste Moment im Game?

Chubb: Hmm, vielleicht das Zerballern von Fenstern, Wänden und Türen.

Sullivan: Ich liebe es, Leute mit Granaten in die Luft zu jagen und sie durch die Fenster fliegen zu sehen. Es ist wie in einem Schwarzenegger-Streifen, es übersteigt die Realität. Spass macht es auch, einen Typen vom Balkon runterzuschiessen. Er versucht sich festzuhalten und wieder hochzukommen – und dann schiesst du ihn ganz runter.

Zurück auf der Strasse, pausenlos hallen die Schüsse aus dem Gebäude, weithin hörbar. Vis-à-vis befindet sich ein Polizeiposten, der vorgängig informiert wurde. Nicht so die Passanten auf den Strassen. «In mir wecken die Schüsse ungute Gefühle», verrät Dana Boghean-Meconian, eine der rumänischen Mitarbeiterinnen beim Event, «es klingt wie beim Sturz von Ceausescu 1989.» Tote wird es diesmal indes nicht geben. Wenn die Journalisten am Abend ins warme Bett des Hotels sinken, klagen sie höchstens über taube Ohren. Draussen hat die Kälte Bukarest derweil weiterhin fest im Griff.

Black von Criterion studios erscheint am 23. Februar für PlayStation 2 und XBox.

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