Test missglückt: «Nur ein nukleares Zischen»
Aktualisiert

Test missglückt: «Nur ein nukleares Zischen»

Die USA haben nach einem Bericht des Senders CNN erste Beweise dafür, dass Nordkorea tatsächlich wie angegeben vor fünf Tagen einen Atomtest unternommen hat. Danach wurden auf einem Versuchsgelände Spuren von Radioaktivität entdeckt. Der Test sei aber fehlgeschlagen.

Nach der Auswertung von Luftproben gehen die USA davon aus, dass Nordkorea am vergangenen Montag tatsächlich einen Atomsprengsatz gezündet hat. Bei vorläufigen Analysen seien radioaktive Partikel nachgewiesen worden, hiess es aus Regierungskreisen in Washington. Der Atomtest sei aber wahrscheinlich fehlgeschlagen, sagte ein Gewährsmann. Der UN-Sicherheitsrat wollte noch heute Samstag über mögliche Sanktionen gegen Nordkorea abstimmen.

Die jüngsten Erkenntnisse der USA stützen sich auf Proben, die am Mittwoch von einem Spezialflugzeug über dem Japanischen Meer eingesammelt wurden. Mit 80-prozentiger Sicherheit sei davon auszugehen, dass es sich bei der Explosion vom Montag wirklich um einen nordkoreanischen Atomwaffentest gehandelt habe, sagte ein US-Regierungsbeamter, der nicht namentlich genannt werden wollte: «Wir denken nicht, dass sie (die Nordkoreaner) versuchten, einen Atomtest vorzutäuschen. Wir denken, dass es ein nukleares Zischen war - ein gescheiterter Versuch.»

Auch die Bundesregierung in Berlin geht davon aus, dass Nordkorea einen Atomtest durchgeführt hat, wie Kanzleramtsminister Thomas de Maizière laut «Bild am Sonntag» sagte. Klarheit gibt es seiner Einschätzung nach aber erst in der kommenden Woche. Dann könnten Experten bestimmte Gase analysieren, die aus dem Explosionstunnel entwichen seien.

Dagegen sagte der Präsident des Bundesamtes für Strahlenschutz, Wolfram König, es lasse sich möglicherweise nie mit Sicherheit nachweisen, ob es tatsächlich einen Atomwaffentest gegeben habe. «Ob der Test ein Bluff war oder nicht, lässt sich mit den Methoden, die wir derzeit zur Verfügung haben, nicht genauer bestimmen», sagte König der «Süddeutschen Zeitung». Grund seien Lücken im globalen Messsystem.

Keine militärischen Strafmassnahmen

Die fünf ständigen Mitglieder des Weltsicherheitsrates - die USA, Russland, China, Grossbritannien und Frankreich - sowie Japan wollten noch am Samstag zunächst zu Konsultationen über die geplante Nordkorea-Resolution zusammenkommen. Später stand dann eine Sitzung aller 15 Ratsmitglieder auf der Tagesordnung. Für Diskussionsstoff sorgten bis zuletzt die Änderungswünsche Russlands und Chinas. Beide Staaten haben sich gegen harte Sanktionen gegen Pjöngjang ausgesprochen.

Der letzte bekannt gewordene Resolutionsentwurf trug den Bedenken Russlands und Chinas Rechnung und sah nur nicht-militärische Strafmassnahmen wie Wirtschaftssanktionen vor. Von einem allgemeinen Waffenembargo war nicht mehr die Rede, doch sollte der Handel mit schwerem Rüstungsgerät wie Panzern und Kampfflugzeugen untersagt werden. Der US-Botschafter bei den Vereinten Nationen, John Bolton, sagte am Freitagabend, zwar könne es noch einige Änderungen geben. «Aber wir haben eine einstimmige Vereinbarung.»

Der russische Verteidigungsminister Sergej Iwanow bekräftigte am Samstag, die Resolution dürfe keinerlei Androhung von Gewalt beinhalten. Ausserdem müssten die Sanktionen automatisch aufgehoben werden, wenn Nordkorea an den Verhandlungstisch zurückkehre. Der stellvertretende russische Aussenminister Alexander Alexejew sagte, er habe in Pjöngjang auf eine Wiederaufnahme der Sechs-Parteien-Gespräche und auf atomare Abrüstung gedrungen. Die Unterredung mit dem nordkoreanischen Atom-Unterhändler Kim Gye Gwan sei «sehr nützlich» gewesen.

(sda)

Deine Meinung