Test verrät, wie anfällig du für Corona-Mythen bist
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Basierend auf StudieOnline-Test verrät, wie anfällig du für Corona-Mythen bist

Eine von fünf Personen glaubt Fehlinformationen über Corona. Wer dafür besonders anfällig ist, lässt sich aus dem generellen Umgang der Person mit Informationen ableiten – und sogar vorhersagen.

von
Fee Anabelle Riebeling
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Manche Menschen sind davon überzeugt, dass gegen COVID-19 geimpfte Personen Proteine absondern, die Ungeimpfte krank und Frauen unfruchtbar machen.

Manche Menschen sind davon überzeugt, dass gegen COVID-19 geimpfte Personen Proteine absondern, die Ungeimpfte krank und Frauen unfruchtbar machen.

Getty Images/iStockphoto
Andere glauben, dass 5G-Antennen nicht nur Krebs erzeugen, sondern die Strahlen auch für Corona verantwortlich sind.  

Andere glauben, dass 5G-Antennen nicht nur Krebs erzeugen, sondern die Strahlen auch für Corona verantwortlich sind.

20min/Taddeo Cerletti
Wieder andere pochen darauf, dass Händetrockner das Coronavirus abtöten können. 

Wieder andere pochen darauf, dass Händetrockner das Coronavirus abtöten können.

Unsplash

Darum gehts

  • Die Corona-Pandemie befeuert Verschwörungstheorien.

  • Nun haben Forschende zwei Eigenschaften bei Menschen ausgemacht, die nicht auf wilde Überzeugungen hereinfallen.

  • Damit lässt sich laut den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern doppelt so gut voraussagen, ob eine Person an Corona-Mythen glaubt, als dies aufgrund von anderen Faktoren möglich wäre.

  • In einem Test kann jeder selbst überprüfen, wie es um ihn steht.

Knapp 20 Prozent der US-Bevölkerung glaubt falsche Behauptungen über das Coronavirus – etwa, dass Händetrockner das Virus abtöten können oder dass es durch Stubenfliegen übertragen wird. In der Schweiz, das zeigte eine Studie von Forschenden der Universität Basel, stellt sich jeder Zehnte stark hinter Verschwörungstheorien.

Die Frage, wer besonders anfällig für solche Mythen ist, lässt sich aufgrund bisher bekannter Faktoren wie der politischen Identität, dem Bildungsgrad, der Intelligenz, der Persönlichkeit oder demografischen Faktoren wie Alter, Geschlecht oder Herkunft kaum beantworten. Einen Weg hat ein Team von Forschenden der Universitäten Hamburg, Macquarie und der Rijksuniversiteit Groningen in den Niederlanden eingeschlagen, wie es im Fachjournal «Episteme» schreibt. Es hat einen neuen Erklärungsansatz verfolgt: den der epistemischen Laster (siehe Box).

Epistemische Laster?

Epistemische Laster sind Charaktereigenschaften, die den Erwerb, die Erhaltung und die Weitergabe von Wissen behindern können. Dazu gehören zum Beispiel Gleichgültigkeit gegenüber der Wahrheit oder Starrheit in Bezug auf die eigenen Glaubensgrundsätze.

In der Philosophie spielt die Vorstellung der epistemischen Laster eine grosse Rolle. Doch bisher wurde erst selten versucht, empirische Bestätigungen für ihre Bedeutung im Umgang mit Wissen zu erbringen.

Dreistufige Untersuchung

«Eine Motivation für unsere Studie war es, die Rolle epistemischer Laster bei der Bewertung von Informationen generell zu untersuchen. Dazu bietet die Corona-Pandemie eine einzigartige Gelegenheit», erklärt Marco Meyer von der Universität Hamburg. Dort leitet er eine Nachwuchsforschungsgruppe und beschäftigt sich schwerpunktmässig mit dem Thema Ethik.

Das australisch-deutsch-niederländische Team hat seine These an 998 US-Amerikanerinnen und Amerikanern überprüft. Dazu liessen die Forschenden die Teilnehmenden ihre Neigung zu epistemischen Lastern zum einen selbst einschätzen. Zum anderen führten sie eine Beobachtungsstudie durch, in der sie den Grad der epistemischen Lasterhaftigkeit mithilfe einer neu entwickelten Skala massen. In einem dritten Schritt fragten sie die Probandinnen und Probanden gezielt nach ihrem Glauben an Mythen und Fehlinformationen über COVID-19.

Eine Erkenntnis und ein Rat

«Wir haben herausgefunden, dass Menschen, die nicht auf Corona-Fehlinformationen hereinfallen, zwei Eigenschaften gemeinsam haben: Sie sind erstens neugierig und zweitens in der Lage, ihre Ansichten zu ändern, wenn sie auf vertrauenswürdige Quellen stossen, die ihren bisherigen Annahmen widersprechen», so Meyer in einer Mitteilung. Das Fazit: Betrachtet man die Neigung zu epistemischen Lastern, lässt sich doppelt so gut vorhersagen, ob eine Person an Corona-Mythen glaubt, als dies aufgrund von Faktoren wie der politischen Identität, dem Bildungsgrad, der Persönlichkeit oder demografischen Aspekten möglich wäre.

«Wir haben herausgefunden, dass Menschen, die nicht auf Corona-Fehlinformationen hereinfallen, zwei Eigenschaften gemeinsam haben.»

Marco Meyer, Universität Hamburg

Einer Theorie nach sollen die angeblich in den COVID-19-Impfungen enthaltenen Mikrochips so stark magnetisch sein, dass Magneten an der Einstichstelle haften bleiben.

20M/Tiktok/Instagram

Die Studie stützt laut Meyer und seinen Kollegen die These, dass epistemische Laster generell die Aneignung von Wissen behindern. «Aus den Erkenntnissen könnte man individuellere Ansprachen und Methoden entwickeln, wie Menschen ihre epistemische Starrheit oder Gleichgültigkeit überwinden können», sagt Meyer, «zum Beispiel durch pädagogische Interventionen.» Dies biete einen Ansatz, dem Glauben an Fehlinformation und Verschwörungsmythen langfristig entgegenzuwirken.

In dem Online-Selbsttest (in englischer Sprache), der auf den Forschungsergebnissen beruht, kannst du prüfen, ob du eher anfällig oder doch eher immun gegenüber Verschwörungen bist.

Hast du oder hat jemand, den du kennst, Mühe mit der Coronazeit?

Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Coronavirus, Tel. 058 463 00 00

BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Safezone.ch, anonyme Onlineberatung bei Suchtfragen

Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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