Aktualisiert 29.10.2007 20:57

Tests an «Sex-Raststätten» bringen Licht in Tabuzone

Die HIV- und Syphilistests auf einer St. Galler Autobahnraststätte erreichen Risikogruppen, die sich sonst nicht testen lassen.

Der Mann ist nervös. Er ist Landwirt, hat Frau und Hof. Hier auf der Autobahnraststätte trifft er sich zum Sex mit Männern. Niemand kennt sein Geheimnis. Er verwende immer Gummis, sagt der Mann. Trotzdem hat er Angst, es könnte etwas passiert sein. Während er aufs Resultat wartet, bestärkt ihn Chefarzt Pietro Vernazza darin, sich zu schützen.

Die Fachstelle für Aids- und Sexualfragen St.Gallen-Appenzell und die Infektiologie des Kantonsspitals St.Gallen haben seit Oktober auf einer Autobahnrastätte bei St.Gallen an vier Abenden HIV- und Syphilistests durchgeführt. Eine erste Bilanz belegt den Sinn der Aktion: Von etwa einem Dutzend getesteten Männern waren zwei HIV-positiv und einer angesteckt mit Syphilis. «Das ist ein unheimlich hoher Anteil», sagt Johannes Schläpfer, Leiter der Fachstelle für Aids- und Sexualfragen. Bei normalen Tests falle von 100 allenfalls einer positiv aus.

Auf den Raststätten erreichen die Tester Leute, die sich sonst nicht untersuchen lassen. «Hier haben Männer anonym Sex, bezeichnen sich selber aber nicht als homosexuell. Viele sind verheiratet und führen ein Doppelleben. Von ihrer Neigung darf niemand etwas wissen», sagt Schläpfer. Die Tests sollen fortgesetzt werden.

Felix Burch

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