Kapazitätsprobleme – Teststopp an Schulen weckt Angst vor Durchseuchung
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KapazitätsproblemeTeststopp an Schulen weckt Angst vor Durchseuchung

In mehreren Kantonen setzen die Schulen das Testen aus, weil die Labors nicht mehr nachkommen. Eltern sorgen sich um ihre Kinder.

von
Bettina Zanni
Lisa Horrer
Nicolas Meister
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In mehreren Kantonen setzen Schulen die Tests aus. Massentests an einer Kantonsschule im Kanton Zug.

In mehreren Kantonen setzen Schulen die Tests aus. Massentests an einer Kantonsschule im Kanton Zug.

20min/Taddeo Cerletti
Das ist umstritten. SVP-Natoinalrat Martin Haab (ZH) sieht darin kein Problem. Die Tests seien «mehrheitlich für die Füchse» gewesen, sagt er.

Das ist umstritten. SVP-Natoinalrat Martin Haab (ZH) sieht darin kein Problem. Die Tests seien «mehrheitlich für die Füchse» gewesen, sagt er.

Parlamentsdienste
Infektiologe Andreas Widmer, Präsident vom Nationalen Zentrum für Infektprävention Swissnoso, befürwortet ein Aussetzen der Massentests in Schulen – jedoch erst ab März. «Ohne Massentests wären zu viele Kinder dem Virus fast schutzlos ausgeliefert.»

Infektiologe Andreas Widmer, Präsident vom Nationalen Zentrum für Infektprävention Swissnoso, befürwortet ein Aussetzen der Massentests in Schulen – jedoch erst ab März. «Ohne Massentests wären zu viele Kinder dem Virus fast schutzlos ausgeliefert.»

Swissnoso

Darum gehts

  • Aargau und Graubünden stellen Massentests an Schulen ein. Auch im Kanton Zug setzen einige Schulen die präventiven Tests aus.

  • Dies wegen Kapazitätsproblemen in Labors. Manchmal warten die Schulen zwei Tage auf die Resultate.

  • Eltern fürchten sich vor der Durchseuchung, unter dem Hashtag #Durchseuchungohneuns ist eine Debatte entstanden.

  • Der Druck auf den Bundesrat, einheitliche Massnahmen zu ergreifen und zu unterstützen, steigt. SVP-Nationalrat Martin Haab ist dagegen. Die Massentests seien «mehrheitlich für die Füchse» gewesen.

Das Coronavirus hat die Schulen fest im Griff. Vom Normalbetrieb seien die Schulen wegen der vielen Ansteckungen weit entfernt, sagt Franziska Peterhans, Zentralsekretärin des Schweizer Lehrerverbands (LCH).

Nun bekommt das Virus noch mehr Angriffsfläche: Die knappen Kapazitäten der Testlabore zwingen die Schulen in den Kantonen Aargau und Graubünden, die Reihentests auszusetzen. Auch einige Schulen im Kanton Zug sehen deswegen vorübergehend von den präventiven Corona-Tests ab.

Zwei Tage warten auf Resultate

In Schulen, die noch Massentests durchführen, ist die Situation angespannt. Die Zahl der positiven Tests sei stark gestiegen, sagt Franziska Peterhans. «Das wichtige Pool-Testen an den Schulen funktioniert vielerorts leider nicht mehr zuverlässig, weil die Testlabore priorisieren müssen. Viele Schulen warten darum bis zu zwei Tage auf die Testresultate.»

Zahlreiche Eltern befürchten, dass ihre Kinder einer Durchseuchung ausgesetzt werden. Auf Social Media wehren sie sich unter dem Hashtag #DurchseuchungOhneUns dagegen.


Eine breite Allianz zivilgesellschaftlicher Gruppen rief die Aktion ins Leben. «Es ist inakzeptabel, wenn die Priorisierung der zu knappen Test-Ressourcen nun dazu führt, dass Pooltests bei den weitgehend ungeschützten Schülerinnen und Schülern unter zwölf Jahren eingestellt werden, die Präsenzpflicht aber stur aufrechterhalten wird», sagt Fredy Neeser in einer Medienmitteilung der Elternorganisation «Protect The Kids».

Franziska Peterhans rechnet wegen der ausgesetzten Tests mit einer erneut wachsenden Unsicherheit in den Schulen sowie steigenden Ausfällen wegen Krankheit oder Quarantäne. «Zudem sind die Schulen bezüglich der Ansteckungen im ‹Blindflug›. Das ist nie gut.» So sei es schwieriger, geeignete Massnahmen zu treffen.

«Dem Virus fast schutzlos ausgeliefert»

Infektiologe Andreas Widmer, Präsident vom Nationalen Zentrum für Infektprävention Swissnoso, befürwortet ein Aussetzen der Massentests in Schulen – jedoch erst ab März. «Ohne Massentests wären zu viele Kinder dem Virus fast schutzlos ausgeliefert.» Bis zum Aussetzen der Tests gebe es Möglichkeiten für alle, auch für Kinder, sich impfen zu lassen. Ungewiss sei jedoch, ob die Grippe in der Schweiz ausbreche. «Sollte sich die Influenza ausbreiten wie in früheren Jahren, wäre diese zusätzliche Belastung für die Spitäler kaum zu bewältigen.»

Am Mittwoch entscheidet der Bundesrat über das weitere Vorgehen. Der LCH fordert für die Schulen einheitliche Massnahmen und gute Schutzkonzepte. Auch müssten diese in der Anwendung und Durchsetzung unterstützt werden, sagt Franziska Peterhans. Es gebe vermehrt Eltern, die versuchten, Lehrpersonen unter Druck zu setzen.

Druck auf Bundesrat

Auch auf politischer Ebene wächst der Druck auf den Bundesrat. SP-Nationalrätin Gabriela Suter fordert einen Wandel weg vom «Massnahmenföderalismus» hin zu national einheitlichen Vorgaben des Bundesrates. Konkret spricht sie sich für eine Maskenpflicht, CO2-Messgeräte und Luftfilter an allen Schulen aus. Sie bezeichnet das Aussetzen der Tests als «Kapitulation vor der hochansteckenden Omikronvariante». «So laufen wir Gefahr, die Kinder wieder in den Fernunterricht schicken zu müssen», sagt Suter.

SVP-Nationalrat Martin Haab sieht in den ausgesetzten Massentests hingegen keinen Grund zur Sorge. Oft hätten die positiven Testresultate erst nach Tagen festgestanden, sagt der Bildungspolitiker. «Weil die Massentests mehrheitlich für die Füchse waren, findet die Durchseuchung in den Schulen schon längst statt.» Für Kinder sei die Durchseuchung «absolut problemlos». «Meine Grosskinder waren in den letzten Wochen positiv und waren weniger krank als bei jeder anderen Wintergrippe.»

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