Aktualisiert 03.12.2008 16:37

Gaspedal statt Bremse

Teuere Kollision für rückfällige Blaufahrerin

Eine angetrunkene Autolenkerin von der Goldküste hat die Bremse mit dem Gaspedal verwechselt und zwei parkierte Fahrzeuge massiv beschädigt. Nun wird die vorbestrafte Dame zur Kasse gebeten.

von
Attila Szenogrady

Es war am frühen Morgen, als die Angeklagte am 24. Oktober 2006 von der Region Küsnacht nach Zürich fuhr, um ihren Personenwagen in eine Garage zu bringen. Kurz darauf begab sich die Automobilistin mit einem Ersatzfahrzeug in die Zürcher Innenstadt. Dort wollte sie an der Poststrasse einparkieren, wobei sie prompt das Gaspedal mit der Bremse verwechselte. Mit der Folge, dass sie unbeabsichtigt rückwärts fuhr und heftig in zwei parkierte Fahrzeuge hineinkrachte. Der angerichtete Sachschaden an beiden Autos war beträchtlich. Alleine ein Porsche Carrera wies Beulen für über 60 000 Franken auf.

Vom Tatort abgesetzt

Dann verlor die heute 65-jährige Unfallverursacherin den Kopf. Sie setzte sich vom Tatort ab und stellte ihr Fahrzeug vor dem Bahnhof Küsnacht ab. Dann begab sie sich nach Hause, wo sie bis zum Eintreffen der Polizei drei Dosen Bier konsumierte. Um die Nerven zu beruhigen, wie der Verteidiger am Mittwoch vor dem Bezirksgericht Zürich ausführte.

Die Angeklagte zeigte sich vor den Schranken umfassend geständig und erklärte, dass sie noch am Abend vor dem Unfall Rotwein getrunken habe. Die alkoholabhängige und einschlägig vorbestrafte Dame gab den Ärger wegen familiären Erbstreitigkeiten um ansehnliche Vermögenswerte als Grund für ihren folgenschweren Alkoholkonsum an.

Neun Monate Freiheitsstrafe verlangt

Der zuständige Staatsanwalt kannte kein Pardon. Er verlangte wegen Fahrens im fahrunfähigen Zustand, Vereitelung, Verletzung von Verkehrsregeln sowie pflichtwidrigen Verhaltens nach einem Unfall nicht nur eine unbedingte Freiheitsstrafe von neun Monaten, sondern auch eine happige Busse von 10 000 Franken.

Der Verteidiger plädierte dagegen auf eine erheblich mildere Sanktion, da er den Aufschub der Freiheitsstrafe von sechs Monaten zugunsten einer bereits angelaufenen ambulanten Alkoholentzugstherapie verlangte. Zudem sei auf eine Busse zu verzichten und eine Geldstrafe von höchstens 90 Tagessätzen zu 50 Franken angebracht.

Es wird teuer...

Das Gericht urteilte ganz im Sinne des neuen Strafrechts. So setzte es für die Blaufahrerin eine milde Freiheitsstrafe von sechs Monate auf Bewährung fest. Bei einer langen Probzeit von fünf Jahren. Hingegen sprach es eine harte, unbedingte Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu 150 Franken aus. Zu den 10 500 Franken gesellten sich ein happige Busse von 7500 Franken sowie eine Gerichtsgebühr von mindestens 3800 Franken. Zudem erteilte das Gericht der Angeklagten die Weisung, die begonnene Therapie fortzusetzen. Das Verschulden der begüterten Lenkerin stufte die Gerichtspräsidentin Maya Bertschi als nicht mehr leicht ein.

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