Aktualisiert 04.03.2013 12:38

Todesengel?Teufels-Pflegerin posiert mit Leiche auf Facebook

Eine St. Galler Pflegerin hat Fotos einer verstorbenen Patientin auf Facebook gestellt und mit satanistischen Kommentaren versehen. Die Behörden sind alarmiert.

von
Gaudenz Looser

Die Bilder auf Facebook schockieren: Eine junge Frau in Schwesternuniform posiert lachend am Bett einer offensichtlich verstorbenen Seniorin. Die junge Frau verhöhnt die Tote mit bösen Kommentaren: «Ratet mal, schläft sie oder ist sie tot? Tipp: Ich bin die Seelendiebin» und: «Yeah, ihre Zeit ist vorüber. Schicke sie in die Hölle, wo einige von ihnen hingehören. Der Rest kommt ins Kompostloch für Dünger, hehehe.»

Auf ihrer Facebook-Seite lässt die Pflegerin ihrer Faszination für Satan und das Böse freien Lauf: «Hail Satan!», schrieb sie gestern in ihre Statusmeldung, die Bildergalerie ist voll mit teuflischen Symbolen und die meisten ihrer über 2000 Freunde sind Gleichgesinnte. Ebenfalls im Profil: zahlreiche Fotografien von teils blutigen Folterungen.

«Behörden alarmiert»

In welchem Pflege- oder Altersheim die Aufnahmen von der toten Frau entstanden sind, ist bislang nicht klar. Möglich wäre auch, dass die Frau via einen Pflege-Dienst ins Privathaus des Opfers gelangt ist. Beim Amt für Soziales St. Gallen, das die Oberaufsicht über Pflegeheime ausübt, ist man jedenfalls alarmiert. Wie Recherchen von 20 Minuten ergaben, hat die Pflegerin noch einen Zweitberuf: Sie bietet auf diversen Erotikplattformen als Prostituierte harte Sado-Maso-Dienstleistungen an. Ihr Arbeitsgebiet: der Raum St.Gallen-Wil.

Ihre Facebook-Seite zeichnet ein verstörendes Bild der Frau: Auf der einen Seite Fotos von lachenden Pflegerinnen im Altersheim, auf der anderen Seite Schnappschüsse von der Frau als Sado-Maso-Schwester, die ihre Kunden mit Nadeln, Spritzen, Hämmern und Peitschen quält.

Weitere Abklärungen

Die Behörden arbeiten «mit Nachdruck daran, weitere Abklärungen zu treffen». Matthias Mayrhofer, Chef der Abteilung Alter beim Amt für Soziales: «Wir prüfen aufsichtsrechtliche Schritte, konkret handeln können wir aber erst, wenn wir wissen, welches Heim oder welcher Pflegedienst betroffen ist.» Das Untersuchungsamt Gossau ist im Besitz der Unterlagen und «prüft, ob allenfalls strafrechtliche Schritte ergriffen werden müssen».

Auch die Patientenschützerin Margrit Kessler ist höchst alarmiert über die Bilder: «Die Würde und die Persönlichkeitsrechte der sterbenden oder schon verstorbenen Patientin wurden aufs Schwerste verletzt. Der Kanton und die Justiz müssen hier sofort einschreiten. Wer weiss, was da sonst noch zum Vorschein kommt.»

Wie kann es überhaupt sein, dass eine Sadomaso-Prostituierte als Pflegerin unterwegs ist? «Das kann schon passieren», sagt Kessler. «Der Personalmangel in der Pflege ist so akut, dass die Überprüfung der Bewerber durchaus mal zu kurz kommt.»

Kennen Sie die Pflegerin? Haben Sie Hinweise oder weitere Informationen? Schreiben Sie uns! feedback@20minuten.ch

«So etwas ist nichts anderes als krank»

Frau Ribi, wie problematisch ist der Fall?

Yvonne Ribi: Wir sind schockiert und betroffen. Es tut uns vor allem für die Angehörigen der Betroffenen sehr leid. Egal ob die Frau eine diplomierte Pflegerin oder eine Laienhelferin ist, so jemand hat in der Pflege nichts verloren. Denn so etwas ist nichts anderes als krank.

Wie will man verhindern, dass sie einfach beim nächsten Heim anklopft?

Das kann man heute fast nicht. Falls sie ein Diplom hat, kann man es ihr nicht wegnehmen. Wir fordern deshalb ein Berufsregister, welches Transparenz herstellt über solche krassen Pflichtverletzungen. Nur so kann jemandem auch die Bewilligung entzogen werden. Zur Zeit laufen die politischen Beratungen dazu.

Entlisberg, Adlisiwl und jetzt die Sado-Pflegerin. Wieso kommt es immer wieder zu solchen Skandalen in Pflegeeinrichtungen?

Es gibt überall schwarze Schafe. Man darf die ganze Berufsgruppe wegen solcher Einzelfälle aber nicht verurteilen. In der Schweiz gibt es 75000 diplomierte Pflegefachkräfte und praktisch alle von ihnen machen ihren Job korrekt und mit viel Kompetenz und Hingabe. Die meisten Betriebe prüfen auch genau, wen sie anstellen. Ich gehe auch davon aus, dass im aktuellen Fall der Betrieb genau so schockiert ist wie wir.

Der Personalmangel ist aber prekär. Nimmt man da nicht einfach jeden?

So weit darf es im Interesse der Patienten nicht kommen. Deshalb müssen die Jobs im Pflegebereich attraktiver gemacht werden – mit Teilzeitarbeit, Krippen, einer höheren Wertschätzung. Dann gibt es auch mehr gute Bewerber. (hal)

Yvonne Ribi ist Geschäftsführerin des Schweizer Berufsverbands der Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner SBK

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