Teufner Naturarzt brachte Patienten ums Ersparte

Aktualisiert

Teufner Naturarzt brachte Patienten ums Ersparte

Ein Teufner Naturarzt und seine spielsüchtige Frau brachten Dutzende Patienten um fast eine Million Franken. Gestern war Gerichtstermin. Bizarr: Die Frau arbeitet derzeit als Buchhalterin.

Es wäre alles perfekt gewesen: Ein Teufner Naturarzt und seine Frau betrieben Ende der 90er-Jahre eine gutgehende Praxis. Patienten aus der ganzen Schweiz blieben bis zu drei Wochen zur Kur. «Er ist ein guter Arzt, und wir freundeten uns bald an», sagt eine Seniorin, die extra aus Biel zur Verhandlung anreiste.

Das Glück zerbrach an zwei Dingen: Die Frau wurde akut spielsüchtig, und das Paar investierte viel zu viel Geld in Praxiseinrichtungen. Um Geld zu beschaffen, begannen sie, Darlehen aufzunehmen. Meist bei Patienten, die dem Paar blindlings vertrauten, aber auch bei Freunden und Geschäftspartnern. Den Opfern erklärten sie meist, sie wollten dem Bruder der Frau, einem Garagisten, kurzfristig unter die Arme greifen. Total kassierten sie so innert zwei Jahren rund 940 000 Franken von 54 Geschädigten ein.

2003 flog alles auf, das Paar ging Konkurs. Doch mit der Einsicht war es nicht weit her: Er eröffnete eine neue Praxis – wieder auf Pump. Und sie, die nach einer stationären Therapie noch immer spielt und darauf hofft, «mit einem Schlag alle Schulden zahlen zu können», arbeitet ausgerechnet als Buchhalterin. Der Arbeitgeber im Kanton Zürich hat keine Ahnung. Die Anklage fordert für beide Gefängnis unbedingt. Das Urteil folgt.

Gaudenz Looser

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