Fitnessstudios: Teure Schweizer Muskeln
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FitnessstudiosTeure Schweizer Muskeln

Das Geschäft mit den gestählten Körpern boomt. Aber im Gegensatz zu Deutschland bleibt die Schweiz auch hier eine Hochpreisinsel. Ein Grund dafür – die Krankenkassen.

von
Werner Grundlehner

Das Rennen auf dem Laufband und das Stemmen von Gewichten im Studio ist zur beliebtesten Sportbeschäftigung der Schweizer Bevölkerung aufgestiegen und hat dem Turn- oder dem Fussballverein den Rang abgelaufen. Rund 9 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer trimmen sich im Kraft- oder Fitnessstudio. Aber diese sind teuer.

In Deutschland hat der 1997 gegründete Billiganbieter McFit innert Kürze die Branche umgekrempelt. Das Fitnesscenter, dessen Abo 16.80 Euro im Monat (rund 300 Franken im Jahr) kostet, begrüsste vor kurzem den millionsten Kunden und ist klarer Marktführer. Ein derartiger Preisbrecher fehlt in der Schweiz.

Fast die Hälfte für Löhne

«Die Rückerstattung eines Teils der Abo-Kosten durch die Krankenkassen gibt es in Deutschland nicht», begründet Paul Eigenmann von Qualitop, einem Unternehmen, das Center zertifiziert. Deshalb schauten die nördlichen Nachbarn viel stärker als die Schweizer auf die Verkaufspreise. «Die Qualität des Trainings hängt zudem vor allem vom Umfang der Betreuung durch qualifiziertes Personal ab – und Personal hat seinen Preis», so der Qualitop-Manager weiter. Ein Schweizer Studio wende 30 bis 40 Prozent des Budgets für Löhne auf. Im Gegensatz dazu beschränke sich die Betreuung bei McFit auf ein Einführungstraining. Auch sei der Billiganbieter ein Grossstadtphänomen – und wirkliche Grosstädte gebe es in der Schweiz kaum.

Keine Lust auf Münzdusche

Claude Ammann vom Schweizerischen Fitness- und Gesundheitscenter Verband (SFGV) sieht noch einen weiteren Grund für die höheren Abo-Preis in der Schweiz – der Schweizer Charakter. «Wir suchen eine solide Grundbetreuung. Zudem: Das Einwerfen von Münzen für Föhn und zum Duschen wie bei McFit entspricht nicht der Schweizer Mentalität». Ammann gibt 1000 Franken als Richtgrösse für eine Jahresabo mit qualifizierter Betreuung an.

In der Schweiz hat sich kein eindeutiger Marktführer herausgebildet. Die meisten Center betreiben Migros (40 Studios) und Kieser Training (19). «Als Marktführer könnte man unseren Verband bezeichnen. Der SFGV fasst über 250 der 400 Trainingsbetriebe der Schweiz zusammen», so Ammann.

Frauen sowie 50+

Trotz der hohen Preise floriert die Branche. Selbst die Wirtschaftskrise hat den Zulauf zu den Muskelbuden nicht gestoppt. Paul Eigenmann, von Qualitop, rechnet weiter mit einem Mitgliederplus von 50 Prozent über die nächsten Jahre. «Das Fitnessstudio wandert durch die Generationen», gibt Eigenmann zu bedenken. Fitnessstudios seien als Single-Bars der Achtzigerjahre bezeichnet worden. Das gelte auch heute noch. Die Beliebtheit bei Jungen ist ungebrochen, es gibt keinen Traumkörper umsonst. Heute hat man als Mann zudem beim Anbändeln mehr Erfolgsaussichten. Denn: Der Frauenanteil steigt kontinuierlich. Dies ist laut Eigenmann der Hauptgrund für das weitere Wachstum: «Als ich 1967 mein erstes Abo für einen Kraftraum löste, gab es kein einziges weibliches Mitglied.»

Einen weiteren Grund ortet SFGV-Sprecher Ammann in der Altersgruppe 50 plus: «Leute über 50 möchten länger gesund und aktiv bleiben.» Zudem würden Beratungspläne gegen Zivilisationserkrankungen, die über reine Trainingspläne hinausgehen, an Bedeutung gewinnen. Ab dem Jahr 2011 gibt es übrigens für Interessierte eine dreijährige Berufsausbildung in Fitnessstudios, die Lebenstilberatung zum Inhalt hat.

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