Bezirkgericht Zürich: Teurer Ausflug nach Zürich
Aktualisiert

Bezirkgericht ZürichTeurer Ausflug nach Zürich

Was kostet heute eine Reise von Winterthur nach Zürich? Für einen 21-jährigen Asylbewerber aus Winterthur rund 720 Stunden gemeinnützige Arbeit.

von
Attila Szenogrady

Trotz einer Ausgrenzungsverfügung hat ein Winterthurer Tamile seine psychisch angeschlagene Freundin in Zürich aufgesucht. Nun soll der Rückfalltäter für bis zu 720 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Die Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl hatte für den jungen Mann sogar eine unbedingte Freiheitsstrafe von sechs Monaten verlangt.

Doch was war geschehen? Fest steht, dass das Migrationsamt des Kantons Zürich im Juli 2008 eine Ausgrenzungsverfügung gegen den in Winterthur wohnhaften Angeklagten erlassen hatte. Darin wurde ihm untersagt, das gesamte Gebiet der Stadt Zürich zu betreten.

Schon sechsmal erwischt

Allerdings hielt sich der Promoter nicht daran. Wie am Strafprozess vom Mittwoch heraus kam, wurde er seit der Verfügung bereits sechsmal in Zürich erwischt. Woraus schon fünf einschlägige Vorstrafen wegen Vergehens gegen das Ausländergesetz resultierten.

Vor Gericht gab der Angeschuldigte am Mittwoch auch sein jüngstes Delikt zu. Demnach hatte er sich am vergangenen 10. März am frühen Abend widerrechtlich von Winterthur nach Zürich-Altstetten begeben. Allerdings nicht zum Vergnügen, wie er zu Protokoll gab. So habe er seine psychisch angeschlagene Freund besuchen und damit unterstützen wollen, rechtfertigte er sein Verhalten.

Arbeit statt Knast

Trotz des erneuten Rückfalls gab das Gericht dem jungen Angeklagten im Rahmen des neuen Strafrechts eine letzte Chance. So sah es von einer unbedingten Freiheitsstrafe ab und setzte stattdessen viel Fronarbeit von bis zu 720 Stunden fest. Im Sinne einer letzten Chance. Bei einer siebten Reise nach Zürich droht ein längerer Freiheitsentzug. Den Aufenthalt des Angeklagten am Mittwoch vor den Stadtzürcher Schranken stufte das Gericht ausnahmsweise als legal ein.

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