Aktualisiert 23.04.2010 10:31

Hands-on

Teurer Spass

Das Nokia Booklet 3G ist nicht nur das edelste Netbook auf dem Markt, sondern setzt auch beim Preis eine neue Höchstmarke. Ob zu Recht, zeigt der Test von 20 Minuten Online.

von
Henning Steier
Das Nokia Booklet 3G kostet 1200 Franken.

Das Nokia Booklet 3G kostet 1200 Franken.

Auch wenn Nokia auf seiner Schweizer Website bereits eine Kategorie namens «Mini-Notebooks» eingerichtet hat, ist das Booklet 3G bislang das einzige Gerät dieser Art geblieben. Bereits auf der Hausmesse Nokia World im August 2009 in Stuttgart hatten die Finnen es vorgestellt. Nun kommt es auch hierzulande in die Läden. Rund 1200 Franken muss man dafür auf den Tisch legen - wenn man es ohne Vertrag eines Mobilfunkproviders kaufen möchte.

Für sein Geld bekommt man ein zwei Zentimeter dickes Aluminiumgehäuse, in dessen Innerem Intels mit 1,6 Gigahertz getakteter Atom-Prozessor Z530, 120 Gigabyte Festplatten- sowie ein Gigabyte Arbeitsspeicher stecken. Das Booklet wiegt 1250 Gramm und misst 26 x 19 Zentimeter. Sein 10,1-Zoll- Display bietet eine Auflösung von 1280 x 720 Pixeln, ist für unseren Geschmack aber nicht hell genug und liefert schlechte Kontraste. Ausserdem verfügt der Rechner über drei USB-Buchsen, einen HDMI-Anschluss, 3G-Modem SD-Kartenleser und eine Webcam, welche mit 1,3 Megapixeln auflöst. Dank 16-Zellen-Akku soll das Netbook erst nach zwölf Stunden wieder an die Dose müssen. Hier gibt sich Nokia allerdings zu optimistisch. Im Test von 20 Minuten Online musste der Akku bei intensiver Nutzung nach achteinhalb und bei durchschnittlicher Auslastung nach 10 Stunden wieder aufgeladen werden. Trotzdem sind dies beachtliche Werte. Dieses Attribut gilt allerdings nicht für die Festplattenkapazität. Denn 120 Gigabyte sind im Zeitalter mobiler Jukeboxen, Foto- und Filmarchive einfach zu wenig - zumal bereits Netbooks für 400 Franken so viel Platz mitbringen. Immerhin könnte man den Speicher per Karte erweitern. Auch beim RAM hätte Nokia das Doppelte spendieren müssen, wie sich später zeigen wird.

Ehrgeizige Selbstbeschreibung

Gegen Vergleiche mit Einsteiger-Rechnern des Segments verwahrte sich Andri Puorger, Product Manager Markets bei Nokia Schweiz, ausdrücklich: «Wir peilen mit dem Booklet 3G eine anspruchsvolle Zielgruppe an, die höchsten Nutzungskomfort und edles Design erwartet.» Zumindest im zweiten Punkt liegt er richtig, denn der Rechner setzt in puncto Verarbeitung neue Massstäbe: Er wirkt äusserst edel und robust, die Tastatur bietet grosses Tippvergnügen. Denn trotz kleiner Keys hat Nokia genügend Platz zwischen ihnen gelassen. Auch bei grosser Beanspruchung wird der Rechner nicht so warm wie man das von günstigen Netbooks kennt - und das, obwohl er ohne Lüfter zum Kunden kommt. Warum Nokia ctrl- und fn-Taste vertauscht hat, wird wohl auf ewig das Geheimnis der Finnen bleiben. Wirklich gestört hat uns aber nur, dass sich das Display selbstständig herunterklappt, wenn man das Booklet 3G unbedacht schüttelt.

Insgesamt arbeitet der Rechner für unsere Begriffe leider viel zu langsam. Wer sich beispielsweise durch die Systemsteuerung klicken oder Fenster verschieben möchte, muss plötzlich so lange warten wie viele Nutzer es seit Jahren nicht mehr gewöhnt sein dürften. Schuld dürften die 1,8-Zoll-Festplatte, welche nur 4200 Umdrehungen pro Minute schafft, sowie der mit einem Gigabyte knapp bemessene Arbeitsspeicher sein. Zudem hat der im Chipsatz integrierte Grafikkern GMA 500 mit den Treibern von Windows 7 zu kämpfen. Der Rechner ist also wie alle Netbooks nicht für aufwändige Anwendungen geeignet, sondern als Abspielstation für Musik, komfortables Surfen sowie Textverarbeitung gedacht. Praktisch: Über den Einschaltknopf am rechten Gehäuserand kann man es nicht nur abschalten oder in den Ruhezustand versetzen, sondern auch verschieden Betriebsarten wie einen Energiesparmodus direkt auswählen.

Nokia will weg vom Image als reiner Hardware-Hersteller. Und so hat man auf dem Desktop des Rechners standardmässig das Ovi-Maps-Widget abgelegt. Dank diesem kann man sich seinen aktuellen Standort präsentieren lassen und diesen direkt Anderen schicken. Einen vollwertigen Zugriff auf Nokias Gratis-Navigation Ovi Maps bietet das Booklet 3G allerdings nicht. Dafür kann man den Nokia Musik Store ansteuern und sein Nokia-Smartphone intuitiv synchronisieren. Das Widget «Nokia Social Media Hub» erleichtert die Nutzung von Facebook, Flickr und MySpace und macht das SMS-Verschicken äusserst einfach.

Fazit

Das Nokia Booklet 3G arbeitet nahezu geräuschlos, dafür aber nicht immer schnell genug. Negativ fällt ausserdem ins Gewicht, dass Ethernet-Buchse und Mikrofonanschluss fehlen. Dafür bekommt man n-WLAN, Bluetooth, UMTS und GPS, was es aus der Masse deutlich heraushebt. Das Booklet ist zurzeit das edelste Netbook auf dem Markt. Wäre es deutlich günstiger und leistungsfähiger, hätte Nokia damit problemlos einen neuen Standard gesetzt.

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