Bundesverwaltungsgericht: Teures Warten auf die Traumpartnerin
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BundesverwaltungsgerichtTeures Warten auf die Traumpartnerin

Die Betreiberin einer dubiosen Telefon-Partnervermittlung muss ihre Mehrwertnummern abgeben. Testanrufe zeigten, dass Kunden von den Mitarbeitern der Firma möglichst lange hingehalten wurden.

Das Bundesverwaltungsgericht bestätigt die Ansicht des Bundesamt für Kommunikation (Bakom), dass Anrufer auf die Dating-Linien der Firma Ragunt systematisch abgezockt wurden.

Die Firma aus Pfäffikon SZ hatte «einfache und schnelle» Kontakte zu «real existierenden» Inserenten versprochen. Anrufer und Anruferinnen sollten den Traumpartner für Ferien, sexuelle Abenteuer oder eine ernsthafte Beziehung finden.

Mitarbeiter als Traumpartner

Die Kosten für das Dating lagen zwischen 3.13 und 4.99 Franken pro Anruf plus den gleichen Betrag je Gesprächsminute. Aufgrund von zahlreichen Meldungen von Betroffenen sowie von Berichten im «Kassensturz» und im «Beobachter» wurde das Bakom aktiv.

Drei Testanrufe des Bundesamtes bestätigten, dass Kunden von den Mitarbeitern der Firma möglichst lange hingehalten wurden. Mit fadenscheinigen Ausreden wurden sie im Irrglauben gelassen, dass in Kürze ein Kontakt zum Traumpartner hergestellt werde. Hinter diesen steckten dann teilweise Angestellte der Firma.

Versprechungen systematisch gebrochen

Das Staatssekratariat für Wirtschaft kam 2009 in einem Gutachten zum Schluss, dass die Ragunt AG mit ihren Geschäftspraktiken unlauteren Wettbewerb betreibe. Anschliessend widerrief das Bakom mit sofortiger Wirkung die zugeteilten Mehrwertnummern.

Zu Recht, wie nun das Bundesverwaltungsgericht auf Beschwerde der Firma entschieden hat. Der Entscheid kann noch beim Bundesgericht angefochten werden. Gemäss dem Urteil steht fest, dass die von der Firma gemachten Versprechungen systematisch gebrochen wurden.

Weiter auf Normalnummer aktiv

Einziger Zweck der Telefonlinien scheine zu sein, die Konsumenten möglichst lange an der Leitung zu halten und zu äusserst kostspieligen Anrufen zu verleiten. Selbst wenn es auch zufriedene Kunden geben sollte, so gebe doch viele Beispiele, die auf trügerische und unlautere Geschäftspraktiken schliessen liessen.

Die Firma sei sich dessen offenbar bewusst, habe sie doch inzwischen Korrekturmassnahmen eingeleitet. Der Entzug der Nummern sei auch verhältnismässig. Der Schutz gerade von nicht besonders gewandten Konsumenten stehe im öffentlichen Interesse.

Im Übrigen bedeute der Nummern-Widerruf nicht das Ende der Firma. Sie biete ihre Dienste nunmehr über eine normale Telefonnummer an und stelle den Kunden direkt Rechnung. (sda)

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