26.06.2019 10:52

Besetzer statt BesetzerInnen

Text nicht gendergerecht – SVP-Vorstoss abgeblitzt

Susanne Brunner (SVP) verzichtet in einem Vorstoss auf eine «geschlechtergerechte» Formulierung – und deshalb wird dieser zurückgewiesen.

von
tam
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SVP-Gemeinderätin Susanne Brunner hat in ihrem Vorstoss auf eine «geschlechtergerechte» Formulierung verzichtet.

SVP-Gemeinderätin Susanne Brunner hat in ihrem Vorstoss auf eine «geschlechtergerechte» Formulierung verzichtet.

Keystone/Melanie Duchene
Das Büro des Gemeinderats hat die Interpellation deshalb zurückgewiesen.

Das Büro des Gemeinderats hat die Interpellation deshalb zurückgewiesen.

Keystone/Steffen Schmidt
Brunner sieht ihre Grundrechte verletzt und will den Vorstoss mit fast gleichem Inhalt wieder einreichen – neu mit einer Anmerkung, dass Frauen, Männer und Diverse sprachlich gleichberechtigt behandelt werden.

Brunner sieht ihre Grundrechte verletzt und will den Vorstoss mit fast gleichem Inhalt wieder einreichen – neu mit einer Anmerkung, dass Frauen, Männer und Diverse sprachlich gleichberechtigt behandelt werden.

Manuel Fischer

In einem politischen Vorstoss zur Besetzung des Pfingstweidparks im Mai hat die Stadtzürcher SVP-Frau Susanne Brunner fast ausschliesslich die männliche Form verwendet. Die Gemeinderätin schrieb von Besetzern, Anwohnern und Touristen. Nur im ersten Satz waren neben den Aktivisten auch die Aktivistinnen erwähnt. Das hat Folgen.

Das Büro des Gemeinderats, das aus 13 Parlamentarierinnen und Parlamentariern besteht, hat die Interpellation Mitte Juni per Mehrheitsentscheid zurückgewiesen, wie die «Neue Zürcher Zeitung» schreibt. Der Grund: Der Vorstoss sei nicht «geschlechtergerecht» formuliert. Brunner habe die Richtlinien zum Abfassen verletzt – «insbesondere was die sprachliche Gleichberechtigung von Frauen und Männern betrifft».

«Verhunzung der deutschen Sprache»

Trotz Hinweis vom zweiten Vizepräsidenten des Gemeinderats, der die Vorstösse jeweils prüft, weigerte sich Brunner, Anpassungen zu machen. «Ich finde es sprachlich nicht schön, wenn in jedem Satz beide Geschlechter genannt werden müssen», sagt sie zur Zeitung. Zudem seien Wörter wie BesetzerInnen oder Besetzende eine «Verhunzung der deutschen Sprache».

Brunner sieht ihre Grundrechte verletzt: «Sprachregeln sollten doch kein Kriterium dafür sein, ob ich meine politischen Rechte ausüben kann oder nicht.» Sie will die Rückweisung nicht einfach so akzeptieren und wird vermutlich noch diese Woche einen Vorstoss mit fast gleichem Inhalt einreichen – neu mit einer Anmerkung, dass Frauen, Männer und Diverse sprachlich gleichberechtigt behandelt werden.

Rückweisung ist einmalig

Die Rückweisung eines Vorstosses aus diesen Gründen ist laut der «NZZ» einmalig. Die Grundlage dafür sind die Bestimmungen, die das Büro selbst anpassen kann. Dort heisst es, dass Frauen und Männer sprachlich gleichberechtigt zu behandeln sind. Der Absatz ist im Mai 2018 in Kraft getreten.

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