Menschenhandel: Thai-Frau machte Landsleute zu Sex-Sklaven
Aktualisiert

MenschenhandelThai-Frau machte Landsleute zu Sex-Sklaven

Die Berner Justiz hat eine Thailänderin überführt, die im grossen Stil Menschenhandel betrieb. Sie lockte 80 Frauen und Transsexuelle in die Schweiz und zwang sie zur Prostitution.

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ct
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Der Menschenhandel lief so ab, dass die Frauen in den ärmsten Regionen Thailands rekrutiert und mit falschen Versprechen in die Schweiz gelockt wurden.

Der Menschenhandel lief so ab, dass die Frauen in den ärmsten Regionen Thailands rekrutiert und mit falschen Versprechen in die Schweiz gelockt wurden.

AP/Franka Bruns
Dann wurden sie in der Schweiz regelrecht in Etablissements eingesperrt und zur Prostitution gezwungen. Den gesamten Verdienst mussten sie den Betreiberinnen der Salons abgeben - diese behielten die Hälfte des Geldes selber und bezahlten mit dem Rest die auferlegten «Reiseschulden» von bis zu 30'000 Franken ab.

Dann wurden sie in der Schweiz regelrecht in Etablissements eingesperrt und zur Prostitution gezwungen. Den gesamten Verdienst mussten sie den Betreiberinnen der Salons abgeben - diese behielten die Hälfte des Geldes selber und bezahlten mit dem Rest die auferlegten «Reiseschulden» von bis zu 30'000 Franken ab.

AP/Franka Bruns
Die Etablissements durften sie nicht ohne Erlaubnis verlassen. Die Opfer des Menschenhandels mussten sich teils 24 Stunden am Tag und 7 Tage pro Woche für die Freier bereithalten.

Die Etablissements durften sie nicht ohne Erlaubnis verlassen. Die Opfer des Menschenhandels mussten sich teils 24 Stunden am Tag und 7 Tage pro Woche für die Freier bereithalten.

Keystone/Martial Trezzini

In Bern ist ein Ring von Menschenhändlern aufgeflogen, der Thai-Frauen und Transsexuelle in die Prostitution zwang. Den Ermittlern ging eine 57-jährige Thailänderin ins Netz, die Kopf der Bande war.

Die Täter gingen fast sklaventreiberisch vor. Insgesamt gibt es rund 80 Opfer. Diese wurden teilweise regelrecht in den Puffs eingesperrt und ihnen wurde alles Geld, das sie verdienten, sofort abgenommen.

Die Ärmsten rekrutiert

Rekrutiert wurden die Frauen und Transsexuellen in den ärmsten Landesteilen im Norden Thailands. Ihnen wurde Arbeit in der Schweiz versprochen – stattdessen mussten sie völlig überrissene «Reiseschulden »von bis zu 30'000 Franken abbezahlen.

«Über die Art der erwarteten Arbeit und die ‹Anstellungsbedingungen› liess die Thailänderin ihre Opfer zum Teil gezielt im Unklaren», schildert Polizeisprecher Christoph Gnägi. «Sie mussten sich teilweise sieben Tage pro Woche und 24 Stunden am Tag für Freier bereithalten und durften die Etablissements nicht ohne Erlaubnis verlassen.»

Ein ähnlicher Fall führte zu der 57-Jährigen

Die 57-jährige Thailänderin sitzt bereits seit zwei Jahren in Haft. Die Berner Justiz machte den Fall erst jetzt publik, weil nun die Ermittlungen abgeschlossen sind.

Auf die Schliche kamen die Ermittler der Täterin, nachdem im März 2014 in Bern ein anderer Fall von Menschenhandel aufgedeckt wurde. Ein Paar hatte 25 Thais zur Prostitution in die Schweiz gelockt. In diesem Zusammenhang kamen sie auf die 57-Jährige. Sie wurde im Oktober 2014 in flagranti am Flughafen Zürich erwischt, als sie mehrere mutmassliche Opfer in die Schweiz brachte.

Grösster Fall von Menschenhandel im Kanton Bern

Im Verlauf der Nachforschungen wurde klar, dass die Frau bereits seit 2011 Opfer von Thailand in die Schweiz holte. Sie hatte die ganze Reise jeweils organisiert. Gnägi: «Die Frau hat teils mit gefälschten Dokumenten Touristen-Visa für die Frauen besorgt und deren Einreise in die Schweiz organisiert.»

Vermittelt wurden die Opfer an Etablissements in den Kantonen Bern, Solothurn, Luzern, Basel-Stadt, St. Gallen und Zürich.

«Von der Dimension her ist dies das grösste Verfahren, das der Kanton Bern je in Sachen Menschenhandel geführt hat», sagt Christoph Gnägi. «Dass man die Drahtzieher identifizieren kann, ist selten. Es ist als ein erfreulicher Erfolg zu werten, dass es in diesem Fall gelungen ist.»

Da die Ermittlungen abgeschlossen sind, wird demnächst Anklage erhoben. Dann wird der 57-Jährigen den Prozess gemacht.

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