Thailand: Putschisten verhängen Kriegsrecht
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Thailand: Putschisten verhängen Kriegsrecht

In Thailand hat sich das Militär an die Macht geputscht und das Kriegsrecht ausgerufen. Die Putschisten hoben während der Abwesenheit von Ministerpräsident Thaksin Shinawatra die Verfassung auf und riefen einen «Rat für Verwaltungsreformen» zur provisorischen Regierung aus.

Unter der Führung des Oberbefehlshabers des Heeres, General Sondhi Boonyaratkalin, brachten sie nach eigenen Angaben die Hauptstadt Bangkok und umliegende Provinzen unter ihre Kontrolle. Widerstand habe es nicht gegeben.

Sondhi habe landesweit Kriegsrecht in Kraft gesetzt, zitierte das staatliche Fernsehen aus einer Erklärung der Putschisten. Alle Soldaten sollten sich in Kasernen melden. Der «Rat für Verwaltungsreformen» erkenne König Bhumibol Adulyadej als Staatschef an, hiess es in der von Sondhi unterzeichneten Erklärung weiter. Sondhi berate mit dem König über die Bildung einer Übergangsregierung, verlautete aus Militärkreisen.

Zuvor waren vor dem Regierungssitz in Bangkok Panzer aufgefahren, die Putschisten übernahmen die Kontrolle mehrerer Fernsehsender. Augenzeugen berichteten von mehreren hundert Soldaten an strategisch wichtigen Punkten im Stadtgebiet.

Militärsprecher Akara Chitroj erklärte vor Journalisten, Thaksins Stellvertreter Chitchai Wannasathit sei aus seinem Amt entfernt und gemeinsam mit Verteidigungsminister Thammarak Isaragura na Ayuthaya festgenommen worden. Beide gelten als enge Vertraute Thaksins. «Die Regierung regiert das Land nicht mehr», sagte Chitroj. Er gehe davon aus, dass Thaksin vorläufig nicht nach Thailand zurückkehre, erklärte der Militärsprecher weiter.

Thaksin, der sich zur Eröffnung der UN-Vollversammlung in New York aufhielt, erklärte von dort den den Ausnahmezustand. Seine Rede vor der Vollversammlung wurde angesichts der Krise in seiner Heimat auf Dienstagabend (Ortszeit) vorgezogen, wie ein UN-Sprecher mitteilte.

Nach Massenprotesten gegen Thaksin stürzte Thailand über Monate hinweg in eine politische Krise. Für den 15. Oktober ist eine Neuwahl des Parlaments geplant, nachdem die Abstimmung vom 2. April von der Opposition boykottiert worden war. Das Oberste Gericht erklärte die Parlamentswahl für ungültig, nachdem der König sie als undemokratisch und verfassungswidrig kritisiert hatte. Thailand hat seitdem kein arbeitendes Parlament.

(sda)

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