Thalwil: Vermeintlicher Selbstmörder schiesst auf Polizei
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Thalwil: Vermeintlicher Selbstmörder schiesst auf Polizei

Ein Beizenkollege des späteren Schützen hatte die Polizei benachrichtigt, dass sich der Schweizer Elektriker mit einer Pistole erschiessen wolle.

Das Geschworenengericht des Kantons Zürich hat am Freitag einen arbeitslosen Elektriker aus Thalwil wegen versuchter vorsätzlicher Tötung eines Polizeibeamten zu einer unbedingten Gefängnisstrafe von zwei Jahren verurteilt. Die Staatsanwältin hatte fünfeinhalb Jahre Zuchthaus gefordert.

Der heute 53-jährige Angeklagte hatte in der Nacht auf den 8. April 2004 aus dem Fenster seiner Wohnung in Thalwil auf einen Beamten der Kantonspolizei Zürich geschossen. Mehrere Polizeibeamte waren in den frühen Morgenstunden ausgerückt, um den Angeschuldigten an einem angeblichen Selbstmordversuch zu hindern. Ein Beizenkollege des späteren Schützen hatte die Polizei benachrichtigt, dass sich der Schweizer Elektriker mit einer Pistole erschiessen wolle.

Fest steht, dass der Angeklagte zunächst auf das Auftauchen der Polizei nicht reagierte. Er nahm mehrere Telefonate nicht entgegen, bis er um zirka 04.30 Uhr plötzlich aus dem Fenster im ersten Stock schrie: «Jetzt isch Rueh und süsch mach ich Rueh und zwar jetzt!». Anschliessend gab er mit seiner Pistole einen Schuss auf einen vor der Haustüre stehenden Polizeibeamten ab, angeblich im Glauben, es handle sich um einen Einbrecher. Der Beamte wurde nicht getroffen und schoss seinerseits viermal in Richtung des Angeklagten zurück. Auch dieser blieb unverletzt und verliess einige Stunden später nach einem Gespräch mit einer Polizeipsychologin unbewaffnet das Haus. Daraufhin wurde der Thalwiler Amokschütze festgenommen und für vier Monate in Untersuchungshaft versetzt.

Vor dem Geschworenengericht wies der Angeklagte den Vorwurf der versuchten vorsätzlichen Tötung zurück. Er machte geltend, dass er mit seiner Waffe in der Hand gestolpert sei und deswegen aus Versehen in Richtung Eingangstüre geschossen habe - eine Behauptung, die das Gericht als nachgeschoben und unglaubhaft beurteilte. Es folgte vielmehr der Anklage, wonach der angetrunkene Schütze den Tod des Beamten in Kauf genommen habe. Im Gegensatz zur rechtlichen Würdigung kamen die Geschworenen dem Angeklagten beim Strafmass relativ stark entgegen. Während die Staatsanwältin fünfeinhalb Jahre Zuchthaus gefordert hatte, setzte das Gericht lediglich zwei Jahre Gefängnis fest. Für die erhebliche Strafverminderung war wohl in erster Linie ein psychiatrisches Gutachten verantwortlich. Dieses hatte dem Waffenbesitzer eine schwere Verminderung der Zurechnungsfähigkeit zur Tatzeit attestiert. (dapd)

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