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Kosten pro Zuschauer«The Voice» ist 20 Mal teurer als «Tagesschau»

Setzt man die Sendungskosten ins Verhältnis zur Einschaltquote, zeigen sich bei SRF Unterschiede und Überraschungen. Kritisierte Formate kommen gut weg, hochgelobte schlecht.

von
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Der Druck auf die SRG wurde immer grösser. Am Ende schaltete sich sogar der Bundesrat ein und stellte sich hinter eine Motion, die verlangte, dass die nationale Rundfunkgesellschaft die Kosten der einzelnen Sendungen aufschlüsseln muss.

Am Mittwoch nun hat das Schweizer Fernsehen SRF auf seiner Website eine mehr oder weniger detaillierte Kostenrechnung veröffentlicht. Diese weist für die meisten Sendungen aus, was sie kosten – von «Schawinski» über «Sport aktuell» bis zum «Bestatter». Andere fehlen oder wurden in Format-Paketen zusammengefasst.

Klar ist aber, dass die Kosten für die Sendungen extrem schwanken. Für eine Ausgabe «Sport aktuell» zahlt SRF gerade mal 23'000 Franken, für eine von «Happy Day» satte 817'000 Franken.

«Schawinski» ist günstig, «Voice of Switzerland» teuer

Richtig aussagekräftig wird der Vergleich jedoch erst, wenn man die Kosten ins Verhältnis zur Einschaltquote der einzelnen Formate setzt. Dabei treten ebenfalls massive, aber andere Unterschiede zutage: So kostet eine Sendung zwischen 8 Rappen und 2 Franken pro Zuschauer.

Brisant: Viel kritisierte Sendungen wie «Schawinski» oder «Aeschbacher» stehen im Pro-Zuschauer-Vergleich gut da. Hingegen kostet ein Ausgabe von Prestige-Formaten wie «Voice of Switzerland» bis zu 24 Mal mehr als die billigste Sendung.

Einen Überblick über diese Rechnung sehen Sie in der Bildstrecke.

Update 15:10: In einer früheren Version wurde die «Sternstunde Philosophie» als teuerste Sendung aufgeführt. SRF korrigiert jedoch, dass die von ihr aufgeführten Kosten nicht nur für diese Sendung, sondern für alle «Sternstunden» am Sonntag zusammen gelten.

SRF-Kommunikationschefin Andrea Hemmi nimmt Stellung zu den publizierten Zahlen.

Wie setzen sich die 817'000 Franken für eine Folge «Happy Day» oder «The Voice of Switzerland» zusammen?

Bei der Kostendarstellung orientiert sich SRF an den Aufwänden, die in direktem Zusammenhang mit der Herstellung einer Sendung stehen. Dazu gehören die Kosten für redaktionelle, programm- und produktionstechnische Leistungen, für den Programmeinkauf sowie für Produktionsmittel. Letztere umfassen beispielsweise Studios, Kameras und Mikrofone, Schnittplätze oder Reportagewagen.

Was macht den grössten Kostenanteil aus?

Die Produktion.

Welchen Anteil macht der Lohn von Moderator Röbi Koller aus?

Aus Gründen des Daten- und Persönlichkeitsschutzes publizieren wir keine Löhne von Mitarbeitenden.

Kann man beim SRF nachvollziehen, dass sich viele Zuschauer über die hohen Produktionskosten einiger Formate ärgern?

Fernsehen ist ein teures Medium. Grosse Sendungen für ein grosses Publikum in der Primetime haben daher entsprechende Kosten. Gleichzeitig produzieren wir so effizient wie möglich.

Welche SRF-Sendung steht hinsichtlich des Kosten-/Nutzen-Aspekts am besten da?

Wir sind gebührenfinanziert und haben einen umfassenden Auftrag zu erfüllen; daher sind für uns Kosten-/Nutzen-Kategorien nicht anwendbar.

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