Theater will Ausländer-Stimmrecht
Aktualisiert

Theater will Ausländer-Stimmrecht

Mit «City of Change» will das Theater St. Gallen die Integrations-Diskussion um den Lehrermord in St. Gallen neu lancieren – unter anderem mit einer Petition fürs Ausländer-Stimmrecht.

von
Tobias Bolzern
Künstlerischer Leiter Milo Rau und Schauspieldirektor Tim Kramer. Foto: tob

Künstlerischer Leiter Milo Rau und Schauspieldirektor Tim Kramer. Foto: tob

Die Ankündigung des Theaters St. Gallen, den Mord an Lehrer Paul Spirig durch Ded Gecaj zu inszenieren, hatte im letzten Jahr für heftige Reaktionen gesorgt. «Wir wurden beschimpft und bedroht», sagt Milo Rau, der damals beauftragte Autor. Aus dem Lehrermord wollte das Theater ein Lehrstück über Integration machen. Die Angehörigen Spirigs lehnten das Stück aber ab, das Ganze wurde abgeblasen.

Nun soll die damalige Diskussion wiederbelebt werden – diesmal als «Kampagne zur Rettung der Demokratie». «Am 1. Mai wird eine Petition lanciert, die unter anderem ein Stimmrecht für die ganze Bevölkerung fordert», sagt Milo Rau, künstlerischer Leiter des neuen Projekts «City of Change». Die ausländische Bevölkerung sei vom politischen Leben ausgeschlossen. «Ein Drittel der Bevölkerung hat kein Stimmrecht», so Rau. Ab Mai finden in der Lokremise zudem sogenannte Demokratie-Konferenzen mit Gästen wie Karin Keller-Sutter, Lukas Reimann oder Cédric Wermuth statt. Geplant ist auch ein Remake des Songs «We Are the World».

Die CVP der Stadt St. Gallen, die sich 2010 gegen die Inszenierung wehrte, begrüsst das neue Projekt. «Ich finde es gut, wenn sich die Kunst mit der Politik auseinandersetzt», so Präsident Martin Würmli. Ob die Forderung der Petition aber umsetzbar ist, sei fraglich.

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