06.12.2014 12:19

Theater-Steuer in Spanien

Theatergruppe verkauft Tickets in Pornoheftli

Die massive Erhöhung der Umsatzsteuer bringt Kultureinrichtungen in Spanien an den Rand des Ruins. Ein Theater hat einen Weg gefunden, die Steuer zu umgehen.

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Das Frauen-Ensemble Primas de Riesgo verkauft Pornohefte für 16 Euro.

Das Frauen-Ensemble Primas de Riesgo verkauft Pornohefte für 16 Euro.

AFP/Pierre-philippe Marcou
Darin ist eine Freikarte für ihr Theaterstück «Der wundertätige Zauberer» enthalten.

Darin ist eine Freikarte für ihr Theaterstück «Der wundertätige Zauberer» enthalten.

AFP/Pierre-philippe Marcou
Grund für den Schachzug ist, dass die Umsatzsteuer für Theater-, Kino- und Konzertkarten mehr als fünfmal so hoch ist wie die für Pornomagazine und andere Zeitschriften.

Grund für den Schachzug ist, dass die Umsatzsteuer für Theater-, Kino- und Konzertkarten mehr als fünfmal so hoch ist wie die für Pornomagazine und andere Zeitschriften.

AFP/Pierre-philippe Marcou

Mit einem Trick umgeht eine spanische Theatergruppe die ruinöse Umsatzsteuer für Theater: Das Frauen-Ensemble Primas de Riesgo verkauft Pornohefte für 16 Euro, denen eine Freikarte für ihr neues Theaterstück «Der wundertätige Zauberer» von Pedro Calderón beiliegt.

Grund für den Schachzug ist, dass die Umsatzsteuer für Theater-, Kino- und Konzertkarten mehr als fünfmal so hoch ist wie die für Pornomagazine und andere Zeitschriften.

Kritik an Porno-Initiative

Angesichts der von der Regierung unter Ministerpräsident Mariano Rajoy beschlossenen Umsatzsteuererhöhung auf Theaterkarten von acht auf 21 Prozent sagte Ensemble-Chefin Karina Garantiva: «Wir wollen die Menschen fragen, welche Gesellschaft solche Entscheidungen trifft. Dass sie Pornografie und Calderón vergleichen, der Spaniens Shakespeare ist, und dass sie ihre eigenen Schlussfolgerungen ziehen.»

Kritikern ihrer Porno-Initiative hielt die 34-Jährige entgegen, dass nicht Frauen unmoralisch seien, die Pornohefte verteilten, sondern eine Regierung, die solche Publikationen und nicht das kulturelle Erbe einer Nation steuerlich fördere.

Steuer trifft Kultur hart

Seit der Anhebung der Umsatzsteuer kämpfen Kultureinrichtungen in Spanien mit einem deutlichen Zuschauerschwund. Nach Angaben des Nationalen Verbandes der Theater und Tanzvereinigungen sanken die Zuschauerzahlen in den ersten zwölf Monaten seit Inkrafttreten der Steuererhöhung um 29 Prozent von 13,1 Millionen auf 9,3 Millionen. Rund 1800 Bühnenschaffende verloren ihre Jobs.

Die Gruppe Primas de Riesgo hatte mit ihrer Initiative jedenfalls Erfolg: Zur Premiere Ende November wurde sie 180 Pornohefte samt Eintrittskarten los. (sda)

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