Südpol: Theaterstück zitiert Amokläufer-Ansichten
Aktualisiert

SüdpolTheaterstück zitiert Amokläufer-Ansichten

Darf man im Theater das Manifest eines Amokläufers verlesen? Der Südpol findet: Ja. Am 21. September wird das Stück «I Feel Like God And Wish I Was» uraufgeführt.

von
Lena Berger
Regisseur Livio Andreina und Autor Christoph Fellmann (r.).

Regisseur Livio Andreina und Autor Christoph Fellmann (r.).

Der Titel ist ein Zitat von Eric Harris, einem der beiden Amokläufer, die 1999 in der Colum­bine High School zwölf Schüler und einen Lehrer erschossen. «Der Satz drückt ein Lebens­gefühl aus, das vielen Amokläufern gemein ist: Die Überzeugung, zu einer grossen ­Sache auserwählt zu sein», erklärt Autor Christoph Fellmann (41). In seinem Stück kommen nur die Täter zu Wort – Opfer und Angehörige werden ausgeblendet. Tagebücher, Aufsätze, Polizeiakten und selbst gedrehte Videos verweben sich zu einem Psychogramm. «Es werden Stimmen von verschiedenen Tätern integriert, so dass das Publikum selbst rausspüren kann, wie diese Menschen funktionieren», so Fellmann.

Angst, dass das Stück selbst Auslöser für ein Attentat werden könnte, hat auch Regisseur Livio Andreina (57) nicht. «Ziel ist, dass man über das ­Tabuthema reden kann. Das Theater ist dafür das richtige Medium, weil es unmittelbar Emotionen auslöst», sagt er.

Der Zuger GLP-Politiker Michel Ebinger (50), der 2001 selbst Opfer eines Amokläufers wurde, findet es gut, dass für einmal nicht die Opferrolle im Vordergrund steht. «Wenn man solche Taten verhindern will, muss man sich die Täter anschauen. Es geht darum, sie zu begreifen.»

sogar theater ist wunderbar

Neben dem Stück wird es auch Raum für Diskussionen geben. Ab dem 19. September findet im Südpol ein ausführliches Rahmenprogramm mit Podiumsgesprächen statt.

Deine Meinung