Glattbrugg ZH: Therapie statt Gefängnis für Blaufahrer
Aktualisiert

Glattbrugg ZHTherapie statt Gefängnis für Blaufahrer

Glück für einen rückfälligen Blaufahrer aus Glattbrugg: Anstelle einer Freiheitsstrafe von acht Monaten darf er als letzte Chance eine ambulante Psychotherapie besuchen.

von
Attila Szenogrady

Der heute bald 50-jährige Angeklagte aus Glattbrugg leidet schon seit 14 Jahren an Rückenschmerzen und einer schweren Alkoholsucht. Der fatale Umstand dabei: Der gebürtige Algerier fährt trotzdem immer wieder mit einem Personenwagen herum. Obwohl ihm bereits im Sommer 2003 sein Führerausweis für unbestimmte Zeit entzogen worden war.

Blaufahrten mit Auto der Ehefrau

Die neusten Vorfälle ereigneten sich vor bald zwei Jahren. So am 10. August 2008, als der IV-Rentner ungefragt in den Personenwagen seiner Frau einstieg, um einen angetrunkenen Kollegen ins Asylzentrum Rohr zu fahren. Zudem wollt er noch Rotwein kaufen. Doch daraus wurde nichts. So geriet er an der Europastrasse in eine Polizeikontrolle und wies mindestens 1,48 Promille Alkohol im Blut auf.

Keine zwei Monate später war der Angeklagte erneut mit dem Fahrzeug seiner Frau unterwegs. Diesmal traf er an der Talstrasse auf die Polizei und hatte nicht nur 0,88 Promille Alkohol, sondern auch Medikamente intus. Das plausible Motiv für die neuerliche Blaufahrt: Da es regnete, wollte er beim Kauf von Zigaretten und Bier nicht nass werden.

Zuerst Therapie im Knast

Im letzten Fall war der Fall für das Bezirksgericht Bülach klar: Es verurteilte den rückfälligen Täter wegen mehrfachen Fahrens im fahrunfähigem Zustand und weiteren Delikten zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von acht Monaten. Die Bülacher Richter ordneten zudem eine ambulante Psychotherapie an. Allerdings während des Strafvollzugs. Zum Unwillen des Beschuldigten, der in die Berufung ging.

Letzte Chance

Am Montag stand der Angeklagte vor dem Zürcher Obergericht und hinterliess einen guten Eindruck. So habe er bereits seit einem Jahr keinen Alkohol mehr getrunken und einen mehrwöchigen Entzug in einer Klinik absolviert, gab er zu Protokoll. Der Verteidiger verlangte deshalb den Aufschub des drohenden Strafvollzugs zugunsten der ambulanten Therapie. Diesmal mit Erfolg. So gaben die Oberrichter dem an Depressionen leidenden Schweizer Staatsangehörigen eine letzte Chance. Sie schoben die Strafe zugunsten der Massnahme auf. Sollte diese jedoch scheitern, stehe der Gang ins Gefängnis an, dies machten die Richter dem Angeklagten zum Schluss aber klar.

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