Therapie statt Gefängnis für Sextäter
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Therapie statt Gefängnis für Sextäter

Jahrelang hat ein heute 58-Jähriger seine Tochter sexuell ausgebeutet. Die Straftaten kamen erst durch eine Anzeige seiner inzwischen erwachsenen Tochter an den Tag.

Das Zürcher Obergericht bestätigte am Freitag den erstinstanzlichen Schuldspruch samt 3-jähriger Gefängnisstrafe. Der Verurteilte muss aber dennoch nicht hinter Gitter.

Der Angeklagte wurde der mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kindern schuldig gesprochen. Das Obergericht fällte die Strafe zwar unbedingt aus, beschloss aber deren Aufschub zu Gunsten einer ambulanten Therapie.

Der Vorsitzende machte dem Angeklagten klar, die Freiheitsstrafe sei damit keineswegs vom Tisch. «Grundsätzlich ist sie vollziehbar.» Es hänge vom erfolgreichen Verlauf der Therapie ab, ob der Angeklagte sie absitzen müsse oder nicht.

Die erste Instanz hatte vor einem Jahr gegen einen Aufschub entschieden und den Vollzug der Gefängnisstrafe angeordnet. Damals befand sich der Angeklagte in sehr unstabilen persönlichen und beruflichen Verhältnissen. Das Obergericht gewährte nun einen Aufschub, weil sich die Situation des Mannes inzwischen deutlich geändert hat.

Der Schweizer hat eine 37 Jahre jüngere Kenianerin geheiratet, lebt mit ihr zusammen und gibt an, auch im Glauben Halt zu finden. Zudem geht er einer geregelten Arbeit nach. Er besucht regelmässig eine psychiatrische Therapie und nimmt an den Gruppensitzungen der deliktorientierten Therapie des psychiatrisch-psychologischen Dienstes (PPD) des Kantons teil.

In einem Zwischenbericht äusserte sich der Therapeut recht zuversichtlich über die Resozialisierungschancen des Angeklagten. Dessen psychische, emotionale und persönliche Stabilität - und damit die Resozialisierung - wären jedoch in hohem Grade gefährdet, würde er durch einen Strafvollzug aus seinem Umfeld herausgerissen.

Schweres Verschulden

Die Straftaten des geständigen Angeklagten reichen viele Jahre zurück. Sie kamen erst durch eine Anzeige seiner inzwischen erwachsenen Tochter an den Tag. Von 1985 bis 1993 machte er sich regelmässig und häufig sexueller Übergriffe auf seine zu Beginn etwa siebenjährige Tochter schuldig. Erst als ihm schliesslich die inzwischen Jugendliche klar Einhalt gebot, hörte er auf.

Zehn Jahre später kam es allerdings erneut zu mindestens zwei Übergriffen auf einen 15-jährigen, geistig behinderten Knaben. Das Gericht stufte das Verschulden des Angeklagten insgesamt als schwer ein. Die damalige schwierige Beziehung mit seiner kranken Frau rechtfertige die Übergriffe auf die Tochter in keiner Weise.

Zu Gunsten des Angeklagten sprachen sein untadeliger Leumund, sein Geständnis, seine Reue und Einsicht. Auch sein Bemühen, an sich zu arbeiten und seine Probleme in den Griff zu bekommen, wurde positiv verbucht.

(sda)

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