Kloten ZH: Therapie statt Knast für Behördenschreck
Aktualisiert

Kloten ZHTherapie statt Knast für Behördenschreck

Glück für einen betagten Behördenschreck, der dem Betreibungsamt in Kloten mit einem Massaker drohte. Der 70-Jährige muss nicht ins Gefängnis, sondern muss eine ambulante Psychotherapie besuchen.

von
Attila Szenogrady

Es war im Juni 2010, als ein heute 69-jähriger Landwirt aus Kloten auf dem Betreibungsamt seiner Gemeinde völlig ausrastete. Er zerriss mehrere Zahlungsbefehle und schlug eine Türe so stark zu, dass sie beschädigt wurde. Rund drei Monate später kam es noch schlimmer.

Der rüstige aber verschuldete Rentner musste erneut wegen einer Pfändung Rede und Antwort stehen und verlor die Fassung. Er tobte herum und kündigte an, dass er ein Gewehr holen und alle verantwortlichen Behörden erschiessen werde.

Polizeibeamtin verletzt

Am nächsten Tag wollte eine vierköpfige Polizeipatrouille den Beschuldigten an seinem Wohnort festnehmen. Dabei rastete der Senior erneut völlig aus und ging mit einer halbvollen Bierdose auf eine Polizeibeamtin los.

Dabei schlug er die Büchse mehrfach gegen die linke Hand der Geschädigten und brachte ihr damit eine erhebliche Verletzung bei. Zum Schluss konnten die Polizisten den schreienden Behördenschreck überwältigen und festnehmen.

Freiheitsstrafe in Bülach

Im Dezember 2010 wurde der nicht geständige Senior vom Bezirksgericht Bülach wegen mehrfacher Gewalt und Drohung gegen Beamte sowie Körperverletzung zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von zwölf Monaten verurteilt. Die Hälfte davon unbedingt. Das Bülacher Gericht verwies auf mehrere Vorstrafen und auf das unbeherrschte und von Wut geprägte Wesen des alt eingesessenen Kloteners.

Verteidiger Niklaus Litscher legte Berufung ein und erschien mit seinem Klienten im letzten April vor dem Zürcher Obergericht. Dieses hob nun die unbedingte Freiheitsstrafe des Bezirksgerichts Bülach auf.

Therapie statt Gefängnis

Der Verteidiger setzte sich im Hauptantrag für Freisprüche und im schlimmsten Fall für eine ambulante Psychotherapie ein. Er legte dabei neu ein psychiatrisches Gutachten ins Recht. Demnach leidet der Beschuldigte an einer Persönlichkeitsstörung, die sich vor allem gegen staatliche Autoritäten richtet.

In seinem nun eröffneten Urteil ist das Obergericht zum Teil dem Verteidiger gefolgt. Es hat zwar die Bülacher Schuldsprüche bestätigt, eine Freiheitsstrafe jedoch abgelehnt. Stattdessen setzte es eine unbedingte Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu 30 Franken fest. Abzüglich von 15 Tagen, die der Beschuldigte in Untersuchungshaft verbüsst hatte.

Das Wichtigste war aber, dass die Oberrichter eine ambulante Behandlung des Angeklagten zur Behandlung von psychischen Störungen anordneten. Damit wird sich der Senior trotz eines fortgeschrittenen Alters einer Therapie unterziehen müssen. Vor allem Hinblick auf eine gewisse Rückfallgefahr.

Deine Meinung