Vorfälle an Rohner-Party: CS sagt Sorry nach Rassismus-Vorwürfen von Ex-Chef Thiam
Publiziert

Vorfälle an Rohner-PartyCS sagt Sorry nach Rassismus-Vorwürfen von Ex-Chef Thiam

Laut der «New York Times» soll Tidjane Thiam als ehemaliger Lenker der Bank rassistische Erfahrungen gemacht haben – auch an einer Party von CS-Präsident Urs Rohner. Jetzt nimmt das Unternehmen Stellung.

von
Dominic Benz
1 / 17
Während seiner Zeit als Chef der Credit Suisse (CS) soll Tidjane Thiam immer wieder Rassismus begegnet sein – auch bei der Bank, wie die «New York Times» schreibt. 

Während seiner Zeit als Chef der Credit Suisse (CS) soll Tidjane Thiam immer wieder Rassismus begegnet sein – auch bei der Bank, wie die «New York Times» schreibt.

Keystone
Ein solches Erlebnis soll Thiam etwa an der Party von Urs Rohner gemacht haben, die der CS-Präsident zu seinem 60. Geburtstag im vergangenen November in einem Zürcher Restaurant schmiss.

Ein solches Erlebnis soll Thiam etwa an der Party von Urs Rohner gemacht haben, die der CS-Präsident zu seinem 60. Geburtstag im vergangenen November in einem Zürcher Restaurant schmiss.

Keystone
Thiam soll unter den Anwesenden die einzige Person of Color gewesen sein – bis auf einen als Hausmeister verkleideten Performer, der zur Unterhaltung der Gäste tanzend den Boden fegte. Bei dieser Szene soll sich Thiam entschuldigt und anschliessend den Raum verlassen haben.

Thiam soll unter den Anwesenden die einzige Person of Color gewesen sein – bis auf einen als Hausmeister verkleideten Performer, der zur Unterhaltung der Gäste tanzend den Boden fegte. Bei dieser Szene soll sich Thiam entschuldigt und anschliessend den Raum verlassen haben.

Keystone

Darum gehts

  • Tidjane Thiam war fünf Jahre lang Chef der Credit Suisse (CS).
  • Gemäss einem Bericht der «New York Times» soll der Ivorer immer wieder rassistische Erfahrungen gemacht haben.
  • Auch an einer Party von CS-Präsident Urs Rohner soll es für Thiam «schmerzhafte Vorfälle» gegeben haben.
  • Die CS bestätigt jetzt indirekt die Geschehnisse und sagt Sorry.

Tidjane Thiam musste seinen Posten als Chef der Credit Suisse (CS) im vergangenen Februar räumen. Zum Verhängnis wurde ihm die Spionageaffäre rund um den Star-Banker Iqbal Khan (siehe Box). Der Skandal sorgte weltweit für Schlagzeilen und warf ein schlechtes Licht auf die Grossbank.

Doch offenbar hatte Thiam nicht nur mit dieser Affäre zu kämpfen. In den fünf Jahren als CS-Lenker soll der heute 58-jährige Ivorer immer wieder Erfahrungen gemacht haben, die er als rassistisch empfunden habe – «sowohl innerhalb der Bank als auch in der Schweiz im Allgemeinen». Das schreibt die «New York Times» in einem ausführlichen Artikel.

Afro-Perücken

Ein solches Erlebnis soll Thiam etwa an der Party von Urs Rohner gemacht haben, die der CS-Präsident zu seinem 60. Geburtstag im vergangenen November in einem Zürcher Restaurant schmiss. Das Motto der Party: die Disco-Ära der 70er.

Thiam soll unter den Anwesenden die einzige Person of Color gewesen sein – bis auf einen als Hausmeister verkleideten Performer, der zur Unterhaltung der Gäste tanzend den Boden fegte. Bei dieser Szene soll sich Thiam entschuldigt und anschliessend den Raum verlassen haben. Einige seiner Begleiter hätten es ihm gleichgetan.

Doch das soll noch nicht alles gewesen sein. Als Thiam zurückkehrte, standen Freunde von Urs Rohner auf der Bühne. Sie tanzten zur Musik und trugen Afroperücken. Für Thiam sollen das «schmerzhafte Vorfälle» gewesen sein, so die Zeitung.

CS sagt Sorry

Zu den Vorfällen an der Party wollte sich die CS zunächst nicht äussern. Das ändert sich aber jetzt mit einem Artikel des englischen «The Guardian». Gegenüber der Plattform bestätigt die CS indirekt die Szenen an jenem Abend und entschuldigt sich dafür.

«Das ist eine völlig falsche Darstellung dieses Abends», so die CS. «Es gab keine Absicht, jemanden zu beleidigen, und wir entschuldigen uns für allfällige Ärgernisse.»

Eine mit der Party vertraute Person sagte der Plattform, weder die Bank noch Urs Rohner seien an der Organisation des Abends im Restaurant beteiligt gewesen. Der tanzende Hausmeister auf der Bühne sei lediglich einer von neun oder zehn Darstellern gewesen, zu denen auch internationale Künstler aus Ländern wie Russland und China gehörten.

«Suisse – Credit Suisse»

Rassistische Vorfälle soll es laut der «New York Times» aber nicht nur an der Party von Urs Rohner gegeben haben. Auch an Generalversammlungen sei Thiam beleidigt worden. Eine Aktionärin sagte beispielsweise, dass die Bank «Suisse – Credit Suisse» heisse. Dabei stellte sie die Frage, ob Thiam denn keinen Interessenkonflikt habe. Die Herkunft des Bankers wurde zudem als «Dritte Welt» verunglimpft.

Für den Artikel stützte sich die US-Zeitung auf Gespräche mit insgesamt sechzehn Personen, darunter enge ehemalige Mitarbeiter von Thiam sowie Investoren, Kunden, Freunde und Familienmitglieder.

Beschwerde wegen Zöllner

Rassismus soll Thiam ebenso im Schweizer Alltag erlebt haben. Bei einer Geschäftsreise von Zürich nach Genf habe ein Zöllner ihn aufgefordert, seinen Pass zu zeigen. Thiam habe protestiert und darauf hingewiesen, dass das bei Reisen innerhalb der Schweiz nicht nötig sei. Den Flughafen habe er erst dann verlassen können, nachdem er den Pass vorgelegt habe. Thiam habe daraufhin eine Beschwerde eingereicht.

Beschattungsaffäre

«Hatte keinerlei Kenntnisse»

Als Chef der CS trat Tidjane Thiam per 14. Februar 2020 zurück. Der Verwaltungsrat hatte den Rücktritt einstimmig angenommen. Vorangegangen war die Spionageaffäre. Unter anderem liess die Bank den Star-Banker Iqbal Khan überwachen. In einer Mitteilung der CS betonte Thiam erneut, dass er nichts von den Beschattungen von Topmanagern gewusst habe. «Ich hatte keinerlei Kenntnisse von der Beschattung zweier ehemaliger Kollegen.» Aber: Zweifellos habe dies der Credit Suisse geschadet und zu Verunsicherung und Leid geführt. «Ich bedauere das Vorgefallene, und es hätte nie passieren dürfen.»

Deine Meinung