Aktualisiert 27.06.2014 14:17

Entlassung unmöglichThorberg-Direktor erhält weiterhin Lohn

Wegen Skandalen um Drogendirnen und Beziehungen zu Insassen wird Gefängnisdirektor Georges Caccivio in einem Bericht scharf kritisiert. Er ist aber immer noch angestellt.

von
Alexandra Graber

Am 3. Februar wurde Thorberg-Direktor Caccivio seines Amtes enthoben - eine Kündigung war bislang aber nicht möglich, weil er ein ärztliches Zeugnis vorlegte. «Das Verfahren ist noch hängig, denn Georges Caccivio ist aktuell krankgeschrieben», so der Berner Justizdirektor Hans-Jürg Käser. Aus personalrechtlichen Gründen könne Caccivio demnach nicht gekündigt werden. Seine Kündigungsfrist betrage zwar drei Monate, aber das kantonale Recht verbiete es, einen Mitarbeiter zu entlassen, während dieser krankgeschrieben ist. Der ehemalige Thorberg-Direktor bezieht also weiterhin seinen Lohn.

Fehlverhalten auf ganzer Linie

Nun belastet ein externes Gutachten Georges Caccivio schwer: Er sei als Thorberg-Direktor untragbar gewesen, weil er während seiner Amtszeit wie zuvor schon regelmässig auf dem Bieler Drogenstrich verkehrt und deswegen belastende Akten habe verschwinden lassen. Mit seinem Fehlverhalten habe er sich erpressbar gemacht und zudem gravierende Fehler bei der Führung der Anstalt begangen. Dies geht aus dem Gutachten von Strafrechtsprofessor Benjamin Brägger hervor, der auf dem Höhepunkt der Affäre mit einer Untersuchung beauftragt worden war. Gestern informierten Brägger sowie Käser über deren Ergebnisse.

Ein zentraler Kritikpunkt war dabei, wie die Anstellung des Anstaltsdirektors zustande kam: «Das Verhalten muss als fehlerhaft und wenig professionell beurteilt werden», so Brägger. Zudem hätte man vor Caccivios Amtsantritt 2011 unbedingt noch ein unabhängiges Assessment durchführen müssen. Dieser Vorwurf belastet Martin Kraemer - den Direktor des Amtes für Freiheitsentzug und Betreuung. Dieser wird per Ende 2014 aus gesundheitlichen Gründen in den Ruhestand treten.

Das Anstellungsverfahren will Käser bei der Neubesetzung des Postens nun optimieren. «Damit bietet sich die Chance für einen Neuanfang», sagt Käser. Zukünftig will sich der FDP-Regierungsrat persönlich um die Auswahl neuer Gefängnisdirektoren kümmern.

Kontakte zum Milieu

Die Thorberg-Affäre war Anfang Jahr publik geworden. Medien verbreiteten dabei anonyme Vorwürfe, wonach Caccivio zwei Häftlinge duze und einige Insassen bevorzugt behandle. Kurz darauf kam heraus, dass der Thorberg-Direktor Kontakte zu Drogenprostituierten hatte und auch während seiner Zeit als Direktor noch im Bieler Milieu verkehrte.

Brägger bestätigt die Mehrzahl der Vorwürfe gegen Caccivio. Er bezeichnet dessen Kontakte ins Bieler Milieu während seiner Amtszeit als «äusserst unprofessionell» - sie hätten die Integrität des Gefängnisdirektors völlig zerstört und dem Ruf des Berner Freiheitsentzugs geschadet. «Zudem ist es ein absolutes No-Go, dass Caccivio zwei der Insassen geduzt hat», sagt Brägger. Einem der beiden Gefangenen habe er während seiner Haft gar Bilder im Wert von 700 Franken abgekauft.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.