Aktualisiert 06.02.2014 08:00

Externe Untersuchung

Thorberg: Experte und Direktor sind per Du

Befangenheit in der Thorberg-Affäre? Der freigestellte Direktor und der externe Gutachter sind seit Jahren Duzbekannte.

von
Sonja Mühlemann

Der Strafvollzugsexperte Benjamin Brägger soll im Auftrag des bernischen Polizeidirektors die Vorfälle auf dem Thorberg untersuchen. Dem freigestellten Direktor Georges Caccivio werden sexuelle Beziehungen zu drogenabhängigen Dirnen angelastet. Zudem soll er bei der Anstellung bevorzugt worden sein (20 Minuten berichtete).

Recherchen von 20 Minuten zeigen nun: Brägger und Caccivio sind seit 1991 per Du – als sie zusammen Militärdienst leisteten, wie Brägger bestätigt. Später begegneten sie sich wieder: «Wir hatten keinen privaten Kontakt – nur weil wir beruflich punktuell aufeinander getroffen sind, ist keine Nähe entstanden.» Vor Annahme des Auftrags habe er sich Gedanken gemacht, aber: «Ich habe mit Polizeidirektor Käser im Vorfeld nicht direkt über meine Bekanntschaft mit Herrn Caccivio gesprochen, weil diese nur oberflächlich war.» Seine Objektivität sei nicht in Frage gestellt. «Ich bin unbestechlich», so Brägger.

Käser hat keine Zweifel

Damit konfrontiert, stellt sich Polizeidirektor Hans-Jürg Käser hinter seinen Experten: «Herr Brägger ist für mich der richtige Mann für diese Aufgabe», teilt er schriftlich mit. Es gebe nur eine begrenzte Anzahl von Fachleuten, die sich für die Untersuchung eigneten. Die «Strafvollzugslandschaft» sei untereinander vernetzt und bekannt. «Dies sind keine Freundschaften im üblichen Sinne», so Käser weiter.

«In den Augen der Öffentlichkeit kann dies als problematisch erscheinen», sagt Benjamin Schindler, Professor für öffentliches Recht an der Uni St. Gallen. Im juristischen Sinne sei Brägger nicht als befangen anzusehen. «Dies wäre aber bei einer Freundschaft klar gegeben.»

Strafanzeige gegen unbekannt

Der Berner Polizei- und Militärdirektor Hans-Jürg Käser steht selbst in der Kritik. Er weist die Vorwürfe jedoch zurück und hat Strafanzeige gegen unbekannt eingereicht, sagte er im SRF. Grund: Verdacht auf Amtsgeheimnisverletzung.

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