Thun: Einfamilienhaus evakuiert
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Thun: Einfamilienhaus evakuiert

Hunderte Feuerwehrleute, Zivilschützer und Polizisten haben in der Nacht im Kanton Bern gegen die Wassermassen gekämpft. Besonders prekär ist die Lage in Teilen des Oberlandes, in der Stadt Bern und im Amtsbezirk Aarberg.

Wegen Hochwassers und Hangrutschen sind die Einsatzkräfte am Donnerstag in Thun zu 50 kleineren Einsätzen gerufen worden. Eine Frau wurde wegen drohendem Hangrutsch aus einem Einfamilienhaus evakuiert.

Wann die Frau wieder in ihr Haus zurück kann, ist noch offen, wie die Stadt mitteilte. Die Feuerwehr war hauptsächlich mit dem Auspumpen von überfluteten Räumen und der Sicherung von rutschgefährdeten Hängen beschäftigt. Ausserdem wurden die Schleusen überwacht.

Die Lage ist weiterhin angespannt. Die Behörden erwarten, dass der Thunersee noch bis auf 558,50 Meter ansteigen könnt. Die Hochwassergrenze liegt bei 558,30 Metern.

Das Thunfest vom Wochenende und der Wochenmarkt können vorausichtlich stattfinden.

Alarm in Bern

In der Stadt Bern stieg die Aare ab Mittwochabend rasch an. In den Quartieren Altenberg, Felsenau und Dählhölzli trat das Wasser über die Ufer. Die Polizei erwog Evakuierungen. Auch im Mattequartier versuchte die Feuerwehr, mit Biberschläuchen und Sandsäcken die Wassermassen zurückzudämmen.

Die Situation sei aber nicht ganz so bedrohlich wie im August 2005, als man vom plötzlichen Wasseranstieg überrascht worden sei, sagte Franz Märki, Sprecher der Stadtpolizei, gegenüber Radio DRS.

Auch im Berner Oberland hatte die regionale Einsatzzentrale der Kantonspolizei alle Hände voll zu tun. Weit über 100 Meldungen gingen ab Mittwochnachmittag ein. Dutzende Feuerwehren standen in der Nacht im Einsatz.

Vom Unwetter besonders betroffen ist die ganze Region rund um den Thunersee, das Simmental, das Kandertal und das Frutigland. Gemeldet wurden vorwiegend Wassereinbrüche in Keller, Einstellhallen und Wohnungen.

In Steffisburg, Därligen, Lauterbrunnen und an zahlreichen anderen Orten traten die Bäche über die Ufer, Strassen wurden überflutet und Holz verstopfte Brücken. In Brienz und Unterseen mussten Campingplätze evakuiert werden.

Erdrutsche im Mittelland und Emmental

Überflutete Keller, Garagen, Strassen und umgestürzte Bäume wurden auch aus der Region Mittelland-Emmental-Oberaargau gemeldet. In Wabern bei Bern musste der Campingplatz Eichholz evakuiert werden. In Rosshäusern, Burgdorf und Heimberg waren die Bahngeleise überschwemmt.

Vereinzelt kam es auch zu Erdrutschen. In Neuenegg wurde ein Bauernhaus durch einen Erdrutsch beschädigt. Vielerorts traten Bäche über die Ufer. Auch in den Amtsbezirken Aarwangen, Burgdorf, Fraubrunnen, Trachselwald und Wangen hatten die Helfer alle Hände voll zu tun.

Kritische Lage auch im Seeland

Im Seeland ist der Amtsbezirk Aarberg besonders stark betroffen. Der Lyssbach trat in Lyss über die Ufer. Den Anwohnern wurde geraten, bedrohte Kellerräume und Einstellhallen so weit als möglich zu räumen.

Kritisch ist die Lage auch am Hagneckkanal. Die Walperswilbrücke musste wegen des Hochwassers gesperrt werden. Ebenfalls von den starken Regenfällen betroffen sind die Amtsbezirke Courtelary und Moutier im Berner Jura.

Die Gemeinde Crémines ist nach dem Unwetter vom 6. August 2007 erneut stark von den Unwettern betroffen. Auch auf der Einsatzzentrale der Kantonspolizei in Biel gingen weit über 100 Schadensmeldungen ein. Vereinzelt kam es zu Erdrutschen.

Prekäre Strassenverhältnisse

Autofahrer und Bahnkunden müssen sich mit Geduld wappnen. Zahlreiche Strassen sind wegen des Unwetters gesperrt. Unterbrochen oder nur eingeschränkt befahrbar sind unter anderem auch die Bahnverbindungen Bern-Olten, Luzern-Langnau-Bern, Luzern-Interlaken, Bern-Freiburg und Bern-Thun.

Egger lobt Reaktionen - Bielersee steigt trotz Rekordabfluss

Die bernische Bau-, Verkehrs- und Energiedirektorin Barbara Egger hat am Donnerstag die Bielerseeregion besucht. Sie lobte die Reaktion der Verantwortlichen seit dem Hochwasser 2005.

Als Beispiel für eine gute Reaktion nannte Regierungsrätin Egger das Diemtigtal, wo das Bett des Chirelbachs verbreitert worden ist. Das habe sich bewährt, so Egger. Das Diemtigtal gehörte im August 2005 zu den am meisten vom Hochwasser in Mitleidenschaft gezogenen Gebieten im Kanton Bern.

Der Aareabfluss aus dem Bielersee in Richtung Solothurn und Aarau erreichte in der Nacht auf Donnerstag mit 1250 Kubikmetern Wasser pro Sekunde einen neuen Rekordstand. Die Höchstmarke lag bisher bei 800 Kubikmetern. Die Kantone Bern und Solothurn haben sich nun darauf geeinigt, dass 900 Kubikmeter abfliessen dürfen.

Der Nidauer Regierungsstatthalter Werner Könitzer zeigte sich mit dieser Regelung nicht ganz zufrieden. Der Bielersee war im Verlauf des Donnerstags über die Schadengrenze von 430,35 Metern über Meer gestiegen. Der Pegel zeigte am Nachmittag weiter steigende Tendenz.

Am Bielersee tauchte im Verlauf des Tages ein weiteres Problem auf: Weil nicht alle Anbindepfosten hoch genug sind, mussten die Schiffe der Schifffahrtsgesellschaft draussen im See verankert werden.

Der Nidauer Regierungsstatthalter Werner Könitzer wies an der Orientierung mit Regierungsrätin Barbara Egger auch darauf hin, dass entlang des Hagneckkanals demnächst unbedingt die Dämme saniert werden müssen. Andernfalls drohe künftig ein Dammbruch. (sda)

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