Waffenindustrie: Thun verliert über 60 RUAG-Arbeitsplätze
Aktualisiert

WaffenindustrieThun verliert über 60 RUAG-Arbeitsplätze

Dem Rüstungskonzern RUAG in Thun laufen die grossen Militäraufträge aus. Die Folge sind Entlassungen und Frühpensionierungen.

Ende Jahr läuft das Werterhaltungsprogramm für den Panzer Leopard aus.

Ende Jahr läuft das Werterhaltungsprogramm für den Panzer Leopard aus.

Der Schweizer Rüstungs- und Technologiekonzern RUAG baut in Thun, wie bereits angekündigt, Stellen ab. 40 Personen werden frühpensioniert, 22 weitere erhalten die Kündigung.

Für die Betroffenen wurde ein Sozialplan erarbeitet, wie die RUAG Holding am Dienstag mitteilte. Zudem werde ein Fonds für Härtefälle zur Verfügung gestellt. Dieser soll von der RUAG und den Arbeitnehmervertretern gemeinsam verwaltet werden. Den Entlassenen hilft ein Jobcenter bei der Stellensuche.

Grosse Militäraufträge laufen aus

Betroffen vom Stellenabbau ist die Abteilung Land Systems der Divison RUAG Defence in Thun. Die Abteilung beschäftigt rund 400 Mitarbeitende. Ende Jahr laufen dort mit dem Werterhaltungsprogramm für den Panzer Leopard und der Auslieferung des Genie- und Minenräumpanzers Kodiak für die Schweizer Armee zwei grosse, mehrjährige Projekte aus.

Diese beiden Projekte kann die RUAG nicht vollumfänglich kompensieren. Mit weiteren Grossaufträgen innert nützlicher Frist rechnet die Unternehmensleitung nicht, wie sie in ihrer Mitteilung weiter schreibt. Daher könne der Fortbestand der Abteilung nur mit einem Personalabbau gesichert werden.

Die RUAG hatte bereits Ende Mai bekannt gegeben, dass sie einen Stellenabbau in diesem Umfang in Betracht zieht.

Zukunft verpasst

Die Gewerkschaft Unia und der Personalverband des Bundes (PVB) kritisierten am Dienstag, die RUAG-Spitze habe es in den letzten Jahren verpasst, das Unternehmen konsequent in einen zivilen, nachhaltigen Technologiekonzern umzubauen.

Dafür müssten nun die Angestellten die Zeche zahlen. Stossend sei ausserdem, dass die RUAG einen höheren Gewinn ausweise und trotzdem Arbeitsplätze abbaue.

Militär prägte Thun

Die Stadt Thun wurde über Generationen vom Militär und den Rüstungsbetrieben geprägt. In guten Zeiten arbeitete rund ein Viertel der berufstätigen Bevölkerung für das Militär. Doch das ist lange her.

Nach dem Fall der Berliner Mauer und des Eisernen Vorhangs erfasste ein tiefgreifender Wandel die Armee und führte zu ihrem schrittweisen Rückbau. Davon betroffen war auch die Rüstungsindustrie. In Thun verschwanden in den 1990-er Jahren hunderte Arbeitsplätze.

Nach den Krisenjahren hat sich die Stadt aber wieder gefangen. Auf den ehemaligen Militärarealen hielten private Nutzungen Einzug. Die RUAG gehört aber auch heute noch zu den wichtigen Arbeitgebern auf dem Platz Thun.

(sda)

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