Aktualisiert 18.01.2017 08:08

«Wenn nötig bis vors Bundesgericht»

Thuner Ex-Angestellte verklagt McDonald's

30-Stunden-Schichten und Wochen ohne freie Tage bei McDonald's sollen Daniela D.* in eine Depression getrieben haben. Nun zerrt sie den Grosskonzern vor Gericht.

von
Mira Weingartner
1 / 3
Daniela D.* (31) leidet noch heute an Symptomen einer Überarbeitung. Grund dafür sei ihre Arbeit bei McDonald's.

Daniela D.* (31) leidet noch heute an Symptomen einer Überarbeitung. Grund dafür sei ihre Arbeit bei McDonald's.

Als Angestellte habe sie dort bis zu 30-stündige Schichten gehabt. Deshalb klagte sie McDonald's Suisse Restaurants Sàrl an.

Als Angestellte habe sie dort bis zu 30-stündige Schichten gehabt. Deshalb klagte sie McDonald's Suisse Restaurants Sàrl an.

Am Dienstag wurde der Fall vor dem Thuner Zivilgericht behandelt. Ein Urteil wird im kommenden Feburar gefällt.

Am Dienstag wurde der Fall vor dem Thuner Zivilgericht behandelt. Ein Urteil wird im kommenden Feburar gefällt.

Daniela D. (31) aus Thun will Gerechtigkeit – für sich, aber auch für ihre Berufskolleginnen und -kollegen. Deshalb stand sie am Dienstag als Klägerin vor dem Thuner Regionalgericht. Auf der Anklagebank: Fast-Food-Gigant McDonald's. Es geht unter anderem um Lohnnachzahlungen.

13 Jahre lang hatte die 31-Jährige beim Schweizer Ableger der Kette als Angestellte gearbeitet. Die letzten Jahre als Restaurant-Managerin seien für die junge Frau zu einer einzige Tortur geworden. 30 Stunden am Stück habe sie teils arbeiten müssen. «Es gab Zeiten, da hatte ich mehrere Wochen am Stück keinen einzigen freien Tag», so D. «Im Durchschnitt betrugen die geleisteten Überstunden 250 Stunden pro Jahr», beklagt ihr Anwalt. Im Jahr 2014 etwa seien es gut 297 Stunden gewesen.

«Das Ganze ist Kalkül»

Wie viele andere Angestellte auf dieser Stufe habe sie die Überstunden nicht erfassen dürfen. Dies, obwohl sie deutlich weniger als 6750 Franken verdiente: Erst ab dieser Lohnstufe gilt man laut dem Gesamtarbeitsvertrag des Schweizer Gastgewerbes als Kader – nur für diese Mitarbeiter gilt, die Arbeitszeit von bis 50 Stunden pro Woche nicht zu erfassen.

«Das Ganze ist Kalkül und wird schweizweit angewendet», ist sich Daniela D. sicher. Was sie dabei am meisten ärgert: «McDonald's verdient Millionen, spart aber bei den Mitarbeitenden.»

Doch wieso liess sie sich dies gefallen? Riesiger Druck der Vorgesetzten habe sie dazu gepusht – und gleichzeitig total isoliert. In einer Mail, die 20 Minuten vorliegt, wird ihr etwa gedroht, «dass Ende Monat Köpfe rollen werden, wenn die Zahlen nicht stimmen». Man wolle damit zwar keine Angst erzeugen, steht ironischerweise im Mail, «es ist aber einfach Fakt». Wehrte sich die Betroffene gegen den Druck von oben, hiess es lediglich: «Wottsch Problem?»

Daniela D. kollabierte

Daniela D. wollte keine Schwierigkeiten, bis sie 2014 schliesslich körperlich nicht mehr konnte. «Ich war am Ende, konnte nicht einmal mehr aus dem Bett aufstehen.» Dann folgten Monate der Erschöpfung, Ohnmacht und Verzweiflung. «Aufgrund der langen Überbelastung stürzte ich in eine Depression.» Noch heute ist Daniela D. in Behandlung – «ich muss wieder einen Weg zurück in den Alltag finden.»

Den ganzen Dienstag stand sie deswegen vor Gericht. Ehemalige Mitarbeiter und Kollegen wurden dort über mehrere Stunden als Zeugen befragt. «Die Chancen für Frau D. stehen gut», sagt ihr Anwalt nach dem ersten Prozesstag. Bis im Februar müssen er und die Verteidigung der Gegenpartei die Plädoyers einreichen. Erst dann wird ein Urteil gefällt.

Doch mit ihrem ehemaligen Arbeitgeber, der ihr nach sechsmonatiger Krankheit rechtens kündigte, sei sie noch lange nicht fertig: «Ich werde für uns alle kämpfen – wenn nötig bis vor Bundesgericht.»

* Name der Redaktion bekannt

McDonald's vor Gericht

Während die beklagte Partei bei einem ersten Schlichtungsversuch im April nicht vor Gericht erschien, stand am Dienstag nun ein Anwalt für McDonald's vor dem Thuner Zivilgericht. Dieser widerspricht den Aussagen von Daniela D.. Der Vertrag zwischen Frau D. und McDonald's sei rechtens gewesen. Auch wird bestritten, dass die in der Heimberger Filiale angestellte Frau eine solch grosse Präsenz hätte gewährleisten müssen.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.