23.04.2020 16:53

Misanto

Thurgauer Firma bietet Arzt-Chat rund um die Uhr

Verdächtige Corona-Symptome? Bei der Misanto-App prüft der Arzt via Live-Chat, ob der Husten gefährlich ist. Ein Experte sieht das kritisch.

von
fpo
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Die Thurgauer Telemedizin-Firma Misanto bietet Live-Ärzte-Chats zum Coronavirus.

Die Thurgauer Telemedizin-Firma Misanto bietet Live-Ärzte-Chats zum Coronavirus.

Sebastian Gollnow
Nutzer beantworten per App Fragen zu Symptomen wie Husten, Schnupfen oder Halskratzen, worauf der «Symptomchecker» eine Verdachtsdiagnose stellt.

Nutzer beantworten per App Fragen zu Symptomen wie Husten, Schnupfen oder Halskratzen, worauf der «Symptomchecker» eine Verdachtsdiagnose stellt.

kay Nietfeld
Im Infektions-Verdachtsfall können die Nutzer der App rund um die Uhr einen der Misanto-Ärzte konsultieren. Anschliessend schätzt der Arzt schnell ein, ob ein Risiko besteht und ein Corona-Test erforderlich ist.

Im Infektions-Verdachtsfall können die Nutzer der App rund um die Uhr einen der Misanto-Ärzte konsultieren. Anschliessend schätzt der Arzt schnell ein, ob ein Risiko besteht und ein Corona-Test erforderlich ist.

Keystone/Alessandro Della Valle

Zur Eindämmung des Coronavirus sind zunehmend Apps gefragt. Der Bund will in knapp drei Wochen eine Contract-Tracing-App der ETH Zürich und Lausanne starten, mit der sich Infektionsketten zurückverfolgen lassen können sollen. Forscher der Berner Fachhochschule wollen mittels App mehr Wissen über den Krankheitsverlauf von Corona-Patienten gewinnen (20 Minuten berichtete).

Das telemedizinische Ärztezentrum Misanto hat den Funktionsumfang seiner App zur Prüfung auf Covid-19-Verdachtsfälle erweitert. Das funktioniert so: Nutzer beantworten Fragen zu Symptomen wie Husten, Schnupfen oder Halskratzen, worauf der «Symptomchecker» eine Verdachtsdiagnose stellt. Dieses Angebot der Thurgauer Firma ist kostenlos.

Kosten von bis zu 73 Franken pro Konsultation plus Extras

Solche kostenlosen Angebote gibt es bereits, etwa von Medgate. Auch das Bundesamt für Gesundheit (BAG) bietet einen Online-Corona-Check. Die Misanto-App bietet aber den Vorteil, dass der digitale Hausarzt immer dabei ist, wie es auf Anfrage heisst. Der Nutzer könne seine Gesundheitsdaten hinterlegen und im Infektions-Verdachtsfall rund um die Uhr einen der Misanto-Ärzte konsultieren. Anschliessend könne der Arzt schnell einschätzen, ob ein Risiko bestehe und ein Corona-Test erforderlich sei.

Für den Live-Chat mit dem Arzt verlangt Misanto bis zu 73 Franken, zusätzliche Dienstleistungen kosten extra. Auch ein allfälliger Virus-Test ist kostenpflichtig. Die Leistungen unterstehen dem Krankenversicherungsgesetz, wie Misanto schreibt.

Experte empfiehlt konventionellen Weg zum Hausarzt

Die Nutzer bezahlen indirekt aber auch mit ihren Informationen und Daten. Misanto analysiert diese und kann sie auch an Dritte weitergeben, laut Website aber nur mit Einverständnis des Nutzers. Trotzdem gibt es Kritik. Viktor von Wyl, Leiter der Digital and Mobile Health Group am Institut für Epidemiologie, Biostatistik & Prävention der Universität Zürich, sagt zu 20 Minuten: «Wozu die Daten gesammelt werden und wo sie gespeichert werden, ist unklar.»

Eine Misanto-Sprecherin sagt zu 20 Minuten, die Firma sammle nur Informationen, die dem Nutzer einen direkten medizinischen Mehrwert brächten. So habe der Nutzer etwa bei einem Arztbesuch seine Daten in der App dabei und müsse dem Arzt nicht nochmals die Krankengeschichte erzählen. Die Daten speichere Misanto verschlüsselt auf Schweizer Servern.

Von Wyl kritisiert an der Lösung aber auch fehlende Transparenz bei der Kostenerstattung. Denn auf der Webseite empfiehlt Misanto Rücksprachen mit der Krankenkasse vor dem Chat mit dem Arzt. Die Misanto-Sprecherin sagt dazu: «Die Kostenübernahme durch die Versicherung ist wie bei jedem anderen Arztbesuch davon abhängig, in welchem Versicherungsmodell der Nutzer sich befindet und inwiefern seine Franchise schon ausgeschöpft ist.»

Statt der App empfiehlt von Wyl den konventionellen Weg über den Hausarzt. «Epidemiologisch gesehen gibt es keinen Grund, warum man die App unbedingt verwenden sollte», sagt von Wyl. Auch das BAG schreibt zum eigenen Corona-Check, dass der Test kein Ersatz für eine professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung sei. Denn die verdächtigen Symptome können auch bei anderen Krankheiten auftreten, für die ein anderes Vorgehen erforderlich ist.

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