16.10.2020 18:11

Massnahmen per 23. OktoberThurgauer Regierung wartet zu – Kritik und Unverständnis werden laut

Der Kanton Thurgau hat am Freitagmorgen wegen der steigenden Corona-Zahlen neue Massnahmen beschlossen. Die Massnahmen gelten aber erst in einer Woche. Das stösst im Kanton auf Misstöne, aber auch Lob.

von
Michel Eggimann
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Im Kanton Thurgau gelten ab dem 23. Oktober neue Massnahmen gegen die Verbreitung des Coronavirus.

Im Kanton Thurgau gelten ab dem 23. Oktober neue Massnahmen gegen die Verbreitung des Coronavirus.

Facebook / Kanton Thurgau
Das hat die Regierung am Freitagmorgen verkündet.

Das hat die Regierung am Freitagmorgen verkündet.

Facebook / Kanton Thurgau
So gibt es für öffentliche und private Veranstaltungen über 30 Personen eine Maskenpflicht.

So gibt es für öffentliche und private Veranstaltungen über 30 Personen eine Maskenpflicht.

Getty Images / iStockphoto

Darum gehts

  • Im Kanton Thurgau gelten ab dem 23. Oktober neue Corona-Massnahmen.

  • Unter anderem wird eine Maskenpflicht bei Veranstaltungen über 30 Personen eingeführt.

  • Mit der Einführung der Massnahmen wartet der Kanton eine Woche.

  • Diese Strategie kommt im Kanton nicht bei allen gut an, es gibt aber auch Lob.

Die Thurgauer Regierung hat am Freitagmorgen neue Massnahmen gegen die Verbreitung des Coronavirus verkündet. So gibt es für öffentliche und private Veranstaltungen über 30 Personen eine Maskenpflicht. Zudem müssen solche Veranstaltungen den Behörden im Vorfeld gemeldet werden, und es muss ein Schutzkonzept respektive eine Deklaration bei privaten Veranstaltungen geben. Bei Bar- und Clubbetrieben gilt in Steh- und Tanzbereichen ebenfalls eine Maskenpflicht. Die Konsumation von Speisen und Getränken ist ausschliesslich in den dafür vorgesehenen Sitzbereichen gestattet. Eingeführt werden die neuen Massnahmen per 23. Oktober. Sie gelten also erst eine Woche nach der Ankündigung. Dazu meint der Kanton: «Sowohl die Bevölkerung als auch die Behörden benötigen eine gewisse Vorlaufzeit, um die neuen Regeln umzusetzen.»

Strategie kommt nicht bei allen gut an

Nina Schläfli, Präsidentin der SP Thurgau, versteht die Strategie der Regierung nicht. Sie sagt: «Es ist schon fragwürdig, so lange abzuwarten, bis die neuen Massnahmen gelten. Die Lage kann sich täglich ändern und die Zahlen weiter steigen.» Im Kanton Thurgau steigen die Zahlen der neu mit Covid-19 infizierten Personen seit dem 1. Oktober signifikant. Allein am Donnerstag wurden 72 Fälle registriert, so viele wie nie zuvor. Auch in den anderen Ostschweizer Kantonen steigen die Zahlen teilweise deutlich. Deswegen hätte sich Schläfli einen gemeinsamen Weg der Kantone in der Ostschweiz gewünscht. Dies ist aber nicht der Fall. Schläfli sagt: «Das finde ich erstaunlich. Ich finde es schwierig, wenn jeder einzelne Kanton seine eigenen Regeln hat.»

Positiver auf die Strategie der Regierung reagiert Ruedi Zbinden, Präsident der SVP Thurgau. Er sagt: «Es ist gut, gelten die Massnahmen nicht gleich sofort. Man muss nicht alles Hals über Kopf ändern.» So könnten sich die Organisatoren von Veranstaltungen in Ruhe auf die Änderungen vorbereiten. Laut Zbinden sind die Leute im Thurgau sowieso bedacht und vorsichtig. Von daher sieht er kein Problem, dass der Kanton mit der Einführung der Massnahmen zuwartet.

«Je früher jetzt Massnahmen angepasst werden, desto besser ist das», sagt ein Ostschweizer Epidemiologe. Er hat keine Erklärung für das Zuwarten der Thurgauer Regierung. Aus epidemiologischer Sicht mache es keinen Sinn. Er hätte eine frühere Einführung der beschlossenen Massnahmen begrüsst. Besonders besorgniserregend sind für ihn die steigenden Zahlen bei den Hospitalisierungen. «Sie gelten als Indikator, wie die Situation ist», so der Epidemiologe. Die Hospitalisierungen steigen im Thurgau seit Anfang Oktober an. Am Freitag waren 16 Personen wegen Corona im Spital. Der Epidemiologe meint: «Das sind zwar nicht so viele wie zu Beginn der Pandemie, aber dennoch ist es an der Zeit für rasches Handeln.»

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