Ebnat-Kappel SG: Tibeter bei Toggenburger Ballontagen unerwünscht

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Ebnat-Kappel SGTibeter bei Toggenburger Ballontagen unerwünscht

Mit einer Ballon-Tournee durch die Schweiz machen Tibet-Aktivisten auf ihre Anliegen aufmerksam. Bei den Ballontagen Toggenburg sind sie abgeblitzt.

von
eli
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Heissluftballon Tashi (tibetisch für Glück) tourt diese Woche durch die Schweiz. Er soll auf die drohende Auslöschung der tibetischen Kultur aufmerksam machen.

Heissluftballon Tashi (tibetisch für Glück) tourt diese Woche durch die Schweiz. Er soll auf die drohende Auslöschung der tibetischen Kultur aufmerksam machen.

In der Vergangenheit konnte man den Ballon bereits bei verschiedenen Events beispielsweise über Italien oder den Niederlanden sehen.

In der Vergangenheit konnte man den Ballon bereits bei verschiedenen Events beispielsweise über Italien oder den Niederlanden sehen.

Auf seiner Tour durch die Schweiz wollte der Ballon bei den alljährlich stattfindenden Ballontagen Toggenburg Halt machen.

Auf seiner Tour durch die Schweiz wollte der Ballon bei den alljährlich stattfindenden Ballontagen Toggenburg Halt machen.

«Leider machen wir solche Erfahrungen in letzter Zeit immer wieder», sagt Thomas Büchli. Büchli ist Präsident der Gesellschaft Schweizerisch-Tibetische Freundschaft (GSTF) und nicht besonders gut zu sprechen auf die Veranstalter der Ballontage Toggenburg.

Die Ballontage beginnen am Donnerstag in Ebnat-Kappel. 25 Ballon-Teams aus dem In- und Ausland feiern an vier Tagen ein grosses Festival. Zur Enttäuschung der Tibet-Aktivisten ist ein Ballon nicht dabei: der Heissluftballon Tashi (tibetisch für Glück), der in diesen Tagen durch die Schweiz tourt, um auf die drohende «Auslöschung der tibetischen Kultur» aufmerksam zu machen.

«E-Mails wurden ignoriert»

«Wir wären gerne bei diesem Fest dabei gewesen», sagt Büchli. Doch hätten die Veranstalter mehrere entsprechende E-Mail-Anfragen ignoriert. Eine schriftliche Anfrage sei dann vor wenigen Wochen abgelehnt worden mit der Begründung, es habe keinen Platz mehr, das Teilnehmerfeld sei voll.

Büchli hält dies für eine Ausrede: «Hätte man gewollt, hätte man für unseren Ballon bestimmt einen Platz gefunden.» Er glaubt, dass es einen ganz anderen Grund gibt für die Absage: China. Büchli: «Schaut man sich die Sponsorenliste an, so hat es mindestens ein Unternehmen mit engen Verbindungen nach China. Dort befürchtet man wohl Wettbewerbsnachteile, wenn man in die Nähe von pro-tibetischen Aktivitäten gerät.»

In der Schweiz habe die Trendwende schon vor einiger Zeit eingesetzt, so Büchli. «War die Solidarität mit der tibetischen Bevölkerung früher sehr ausgeprägt, machte sich mit dem Aufstieg Chinas als Wirtschaftsmacht ein gewisser Opportunismus breit.» Immer häufiger sei es so, dass Behörden und auch private Organisationen in einer Art vorauseilendem Gehorsam tibetische Aktivitäten verbieten oder behindern würden.

«Mit 25 Teams ausgebucht»

René Louis, OK-Präsident der Ballontage Toggenburg, wollte am Dienstag auf Anfrage keine Stellung zur Kritik der Tibet-Aktivisten nehmen. Für die Absage an deren Heissluftballon-Projekt macht er organisatorische Gründe geltend: «Wir sind ein Einladungs-Meeting», sagt er, «zuerst laden wir die bisherigen Teams ein, dann jene auf der Warteliste.» Mit 25 Teams sei man ausgebucht, so Louis.

Im Toggenburg ist die Sache für die Tibet-Freunde übrigens doch noch gut ausgegangen: In Ulisbach zwischen Wattwil und Ebnat-Kappel macht Heissluftballon Tashi am Samstag zwischen 10 und 13 Uhr halt – eine Privatperson hat ihr Land zur Verfügung gestellt. Es gibt sogenannte Fesselflüge für Interessierte, dazu tibetisches Essen und Musik. Den Ballontagen wünschen die Tibet-Aktivisten nur das Beste: «Ich hoffe, dass wir alle ein schönes Ballonfest erleben, wir in Ulisbach, sie in Ebnat-Kappel», sagt einer der Organisatoren.

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