Tibetische Mönche: «Sie erzählen euch Lügen»

Aktualisiert

Tibetische Mönche: «Sie erzählen euch Lügen»

Protestierende tibetische Mönche sind heute in eine für einige ausländische Journalisten inszenierte Medienkonferenz in Lhasa eingedrungen und haben China der Lüge bezichtigt.

«Glaubt ihnen nicht, sie betrügen euch, sie erzählen euch Lügen», riefen etwa 30 junge Mönche nach Berichten von Teilnehmern der Medienkonferenz im Jokhang-Tempel. Sie wiesen Vorwürfe zurück, der Dalai Lama habe zu den jüngsten Protesten gegen die chinesische Herrschaft in der Himalaya-Region angestiftet.

Die Mönche berichteten laut den Journalisten weiter, sie hätten den Tempel seit dem Beginn der Unruhen am 10. März nicht verlassen dürfen. «Sie glauben, wir gehen raus und verbreiten Chaos - wir würden zerschlagen, zerstören, rauben, Feuer legen», sagte ein Mönch.

«Wir wollen Freiheit»

«Wir haben so etwas aber nicht getan, die Anschuldigungen sind falsch», sagte er und fügte hinzu: «Wir wollen Freiheit.» Viele Mönche und einfache Bürger seien festgenommen worden.

Über das Schicksal der Mönche wurde zunächst nichts bekannt. Die chinesischen Behörden hatten einige ausgewählte Journalisten nach Lhasa gebracht, um zu demonstrieren, dass die Lage dort nach den gewaltsamen Unruhen wieder unter Kontrolle und normal sei. Die Aktion der Mönche war eine Blamage für die Propagandakampagne der chinesischen Regierung.

Für den Sekretär des Dalai Lama, Chhime Chhoekyapa, zeigte der Protest, dass auch rohe Gewalt den Freiheitsdrang der Tibeter nicht unterdrücken kann. Ein Vertreter des Dalai Lama in Japan rief die Regierung in Tokio zu einer Vermittlerrolle im Konflikt um Tibet auf.

Bush fordert Dialog

Besorgt über die Niederschlagung der zweiwöchigen Unruhen rief US-Präsident George W. Bush den chinesischen Staats- und Parteichef Hu Jintao in einem Telefongespräch zu einem «substantiven Dialog» mit dem Dalai Lama auf.

Das Aussenministerium in Peking verwahrte sich erneut gegen jede ausländische Einmischung. Hu wiederholte laut einer Erklärung den Vorwurf, der Dalai Lama sei für die Proteste verantwortlich und wolle die Olympischen Spiele in Peking sabotieren.

In der Debatte über einen Olympiaboykott wandte sich der UNO- Sportbeauftragte Willi Lemke gegen politische Einflussnahmen auf die Olympischen Sommerspiele in Peking. Laut Medienberichten kündigte Polens Premier Donald Tusk aus Protest gegen Chinas Vorgehen an, der Eröffnungsfeier in Peking fernzubleiben.

China reagiert kühl auf Boykott-Drohungen

Am Mittwoch hatte der tschechische Präsident Vaclav Klaus einen ähnlichen Entscheid bekannt gegeben. Ein Sprecher des polnischen Aussenministeriums sagte, Warschau plane eine «informelle» Initiative innerhalb der Europäischen Union, um mehr Interesse für das Tibet-Problem zu wecken.

China reagierte kühl auf die Ankündigungen. Die Einladung zu der Zeremonie am 8. August werde gemeinsam vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) und den Organisatoren in Peking an die nationalen Komitees geschickt, die ihrerseits wiederum Staatsoberhäupter, Regierungschefs oder Minister einlüden.

«Ob jemand eine Einladung annimmt oder nicht, liegt in der Verantwortung des jeweiligen nationalen olympischen Komitees», sagte Sprecher Qin Gang.

(sda)

Deine Meinung