Verschwörungstheorien: Tibits-Mitgründer will den Bundesrat einsperren lassen
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VerschwörungstheorienTibits-Mitgründer will den Bundesrat einsperren lassen

Christian Frei, Mitgründer der Restaurantkette Tibits, hält das Coronavirus für eine Erfindung und will den ganzen Bundesrat einsperren. Das Unternehmen distanziert sich.

von
Daniel Graf
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Im Keller des Tibits-Lokals in Oerlikon fand am 6. Januar offenbar ein illegales Treffen von Corona-Kritikern statt.

Im Keller des Tibits-Lokals in Oerlikon fand am 6. Januar offenbar ein illegales Treffen von Corona-Kritikern statt.

Tibits
  Dazu eingeladen hatte Tibits-Mitgrüner Christian Frei.

Dazu eingeladen hatte Tibits-Mitgrüner Christian Frei.

Christian Frei
Er hatte sich am 22. Dezember mit einem Brief an die damalige Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga gewandt und ihr «gekündigt».

Er hatte sich am 22. Dezember mit einem Brief an die damalige Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga gewandt und ihr «gekündigt».

Telegram-Chat

Darum gehts

  • Christian Frei, Mitgründer der Restaurant-Kette Tibits, forderte im Dezember zwei Bundesräte auf, ihre Ämter niederzulegen. Der stellvertretende Armee-Chef sollte den ganzen Bundesrat verhaften.

  • Frei hält die Corona-Pandemie offenbar für eine Erfindung und hat ein illegales Treffen veranstaltet, um «Wege aus dem Corona-Alptraum» zu diskutieren.

  • Freis Brüder, die ebenfalls Mitgründer des Tibits sind, distanzieren sich von den Aussagen und haben Christian Frei von sämtlichen Tätigkeiten entbunden.

Die vegetarische Restaurant-Kette Tibits gehört zu den bekanntesten Gastro-Unternehmen der Schweiz. Gegründet wurde die Kette von Rolf Hiltl und den Brüdern Daniel, Reto und Christian Frei. Letzterer machte am Donnerstag auf sich aufmerksam: Gemäss einer Recherche der Online-Zeitschrift «Republik» soll Christian Frei die Corona-Pandemie für eine Erfindung halten.

In drei eingeschriebenen Briefen, die 20 Minuten vorliegen, brachte er am 22. Dezember seinen Unmut zum Ausdruck. Er forderte den stellvertretenden Armeechef Aldo C. Schellenberg dazu auf, alle sieben Bundesräte zu verhaften, da sie sich «der Verbrechen gegen die Menschlichkeit, der Sklaverei und der Plünderung von Eigentum und Reichtum» schuldig gemacht hätten. «Wir befehlen Ihnen, die sieben Bundesräte in Schweizer Gefängnisse einzusperren», schreibt Frei.

Frei will Sommaruga entlassen

Auch die damalige Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga erhielt Post von Frei: Er wollte ihr kündigen. «Aufgrund der aktuellen Ereignisse bin ich gezwungen, ihr aktuelles Arbeitsverhältnis zu beenden», beginnt der Brief, der zusammen mit diversen Anhängen 28 Seiten umfasst.

Frei beklagt, die Schweiz werde «seit längerem von einem Konstrukt von Monarchien = Firmen wie Bundesrat, Parlament, Regierungs- und Kantonsrat, politische Gemeinden, von oben nach unten diktatorisch regiert». Sommaruga und «ihr kompletter Stab» seien «in Ihrer aktuellen Position untragbar und somit unerwünscht». Das Arbeitsverhältnis sei «mit sofortiger Wirkung aufgelöst» und die Büros «umgehend zu räumen».

In einem dritten Brief wandte Frei sich an Finanzminister Ueli Maurer, um «Stellung zu nehmen zu den von Ihnen gestellten Steuer-Forderungen». Auch Maurer will Frei entlassen, er habe bis Ende Januar 2021 Zeit, um «die Finanzen in Ordnung zu bringen». Alle drei Briefe postete Frei am 5. Januar in einer Telegram-Gruppe.

Konspiratives Treffen im Tibits

Im selben Chat lud Frei auch zu einem Treffen am Abend des 6. Januar in das Tibits in Oerlikon ein. Dort wolle er «einen Austausch, um mögliche Lösungen vorzustellen, wie wir aus dem Corona-Alptraum wieder rauskommen» organisieren. Gemäss der «Republik» fand das Treffen statt, 29 Personen hätten sich im Keller des Tibits getroffen. Frei habe rund zwei Stunden gesprochen und unter anderem gesagt, die Corona-Pandemie sei eine Erfindung und man müsse jetzt «dieses System total zerlegen». Der Staat sei der Feind, die Medien die «Panzer».

Gegenüber 20 Minuten bekräftigt Frei seine Thesen: «Bisher hat kein Wissenschafter auf der Welt überhaupt ein Virus nachweisen können. Was man uns als Viren verkauft, sind Exosomen, also Zellausscheidungen, die durch 5G, Nanopartikel in Impfungen und Chemtrails, Mikrowellen und Angst ausgelöst werden», sagt der Gastronom. Mit Corona sei plötzlich die Grippe ausgestorben, dafür hätten wir «eine PCR-Test- und Masken-Pandemie, die vom Bundesrat und Massenmedien orchestriert wird».

«Landesverrat und Wirtschaftssabotage»

Frei fordert, dass sich der Bundesrat vor einem ausländischen Militärgericht und einem Substanzgericht in der Schweiz verantworten müsse. «Er muss für den psychologischen und finanziellen Schaden aufkommen.» Der ganze Stab von Parlament bis politischer Gemeinde müsse sich für den Landesverrat und die Wirtschaftssabotage verantworten. Dass Frei auf seine Briefe keine Antwort erhalten hat, deutet er als Beweis dafür, dass der Inhalt nicht widerlegt wurde und folglich der Wahrheit entspreche.

Dass Frei mit seinen Aussagen dem Tibits schadet, glaubt er nicht: «Ich bin Mitgründer von Tibits, freier Geist, der unseren 20-jährigen Familienbetrieb vor der korrupten Regierung schützt. Wie kann man denn noch mehr Schaden anrichten, als dies der Staat gerade tut?», fragt Frei.

Bis am Donnerstagmorgen war Christian Frei auf der Webseite von Tibits als «Mitgründer und Leiter Corporate Design» aufgeführt. Am Donnerstagnachmittag war der Eintrag gelöscht. Daniel und Reto Frei distanzieren sich entschieden von den Aussagen ihres Bruders (siehe unten).

Tibits distanziert sich von Christian Freis Aussagen

Daniel Frei, CEO des Tibits und der Bruder von Christian Frei, distanziert sich klar von dessen Aussagen: «Die Meinung von Christian ist rein privater Natur und deckt sich weder mit unseren persönlichen Ansichten noch mit der Haltung der Tibits-Gruppe.» Das Unternehmen habe erstmals am 10. Mai erfahren, dass Christian an einer Demo von Corona-Skeptikern in Bern teilgenommen habe und gleichentags sein Tibits-E-Mail Konto gesperrt. «Christian ist schon lange nicht mehr Teil der Tibits-Geschäftsleitung, dies war er nur in den Gründerjahren», sagt CEO Daniel Frei. Zuletzt habe er sich in einem 60-Prozent-Pensum um die Inneneinrichtung der Restaurants gekümmert. «Da sich Christian geweigert hatte, die Covid-Schutzmassnahmen im Tibits umsetzen, haben wir ihn Anfang Mai 2020, als wir unsere Betriebe nach Ende des ersten Lockdown wieder öffnen durften, von seinen operativen Funktionen entbunden.» Von Christian Freis Aussagen habe sich die Unternehmensleitung intern mehrmals proaktiv und klar distanziert, was der E-Mail-Verkehr, der 20 Minuten vorliegt, dokumentiert. Der Eintrag im Handelsregister sei seit der Gründung des Unternehmens «unglücklicherweise nie angepasst worden». Über die Veranstaltung am 6. Januar habe Christian Frei seine Brüder leider nicht informiert. «Sonst hätte sie nie stattgefunden», versichert Daniel Frei. «Unmittelbar nach Kenntnisnahme haben wir Christian aufgefordert, seine Schlüssel zu den Tibits-Lokalen bis Donnerstag 21. Januar, abzugeben, ansonsten werden diese gesperrt.»

Hast du oder jemand, den du kennst, Mühe mit der Coronazeit?

Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Coronavirus, Tel. 058 463 00 00

BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Tel. 147

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