Aktualisiert 13.07.2012 22:08

Bieber-Konzert

Ticketabzocke wird immer professioneller

Seit Freitag können im offiziellen Vorverkauf Tickets fürs Justin-Bieber-Konzert gekauft werden. Doch bereits vorher blühte der Internethandel – mit Tickets, die es noch gar nicht gab.

von
Isabelle Riederer

Für die Believers ist der Freitag, der 13. Juli Stichtag. Punkt 8 Uhr startet der Ticketvorverkauf für das einzige Konzert des Teenie-Stars in der Schweiz. Doch bereits vor dem offiziellen Verkaufsstart werden völlig überteuerte Bieber-Tickets im Internet angeboten. Die Ticketabzocke ist mittlerweile ein florierendes Geschäft und die Fans haben das Nachsehen.

Tickets als Spekulationsware

Der Parallelmarkt auf Internetportalen wie Ticketpark.ch oder Ticketbörse.ch läuft wie geschmiert. So kostet ein Stehplatzticket offiziell 88 Franken, bei ticketboerse.ch ist dieses schon jetzt für 179 Franken erhältlich – das sind mehr als doppelt so viel. Bei ticketpark.ch wird ein Ticket sogar für satte 202 Franken angeboten. Ein rentables Geschäft, welches sich gewiefte Händler zunutze machen. Doch wie ist es überhaupt möglich, dass Konzerttickets bereits vor dem offiziellen Verkaufsstart im Internet landen? Stefan Epli, der Mediensprecher von Ticketcorner, kennt das Geschäft: «Die Leute, die Tickets schon vor dem offiziellen Verkaufsstart anbieten, haben gar keine Tickets, sie verkaufen lediglich eine Option und spekulieren darauf.» Epli rät davon ab, diese Tickets zu kaufen: «Das Problem ist: Wer Geld einzahlt, kann nicht sicher sein, ob er überhaupt ein Ticket bekommt.» Im schlimmsten Fall kriegt man kein oder sogar ein gefälschtes Ticket.

Manuel Reinhard, Geschäftsführer von ticketpark.ch, kann zwar keine Garantie geben, dass man die Tickets auch bekommt, jedoch bieten sie eine Art Geld-zurück-Garantie an. «Wenn ein Käufer Tickets kauft und das Geld einbezahlt, landet der Betrag bei uns und wird erst nach dem Event an den Verkäufer ausbezahlt. So hat der Käufer die Möglichkeit, sein Geld zurückzubekommen.» Dennoch ist sich Epli sicher: Der beste Weg, an Tickets zu kommen, ist der offizielle Ticketvorverkauf am 13. Juli.

Getarnt als professionelle Ticketing-Anbieter

Nun tut sich zusätzlich eine neue Dimension des Tickethandels auf. Webseiten wie seatwaver.de oder viagogo.ch treten äusserst professionell auf, mit Saalplan und der Anzahl noch verfügbarer Tickets. Der Mediensprecher von Konzertverantalter Goodnews, Marc Reinhardt, kennt das Problem: «Seatwave.de ist uns bekannt, jedoch sind sie keine offiziellen Ticketing-Anbieter. Nur Ticketcorner ist offizieller Verkaufspartner für das Konzert von Justin Bieber in der Schweiz, sie garantieren auch, dass man wirklich seine Tickets bekommt.» Stefan Epli sind solche Seiten ein Dorn im Auge: «Die professionelle Aufmachung ist irreführend, diese Seiten sind ebenfalls Wiederverkäufer. Allein schon die Preise für die Tickets sollten stutzig machen.» Die Betreiber von seatwave.de und von viagogo.ch waren auf Anfrage von 20 Minuten Online für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Konsumentenschutz arbeitet an einer Lösung

Auch die Stiftung für Konsumentenschutz weiss um diese Problematik. Geschäftsleiterin Sara Stalder: «Viagogo und Seatwave beobachten wir schon lange. Wir arbeiten seit vielen Monaten an einer Lösung. Das Problem ist aber, dass bei diesen inoffiziellen Ticketportalen alles sehr undurchsichtig ist. Man weiss nicht, wer dahintersteckt und woher sie die Tickets bekommen. Der ganze Parallelmarkt mit diesen Tickets ist ein riesiges Ärgernis.»

Der Handel mit Konzerttickets ist zur regelrechten Branche geworden, wie sich auch im Falle des Justin-Bieber-Konzerts einmal mehr beobachten lässt. Auf den Aktionsplattformen Ebay und ricardo.ch werden stündlich neue Bieber-Tickets angepriesen, teilweise mit einem Verkaufspreis von bis zu 1200 Franken pro Stück.

Ein Treffen mit Bieber für 490 Franken

Ein weiterer Wermutstropfen für die Believers sind die Meet&Greet-Tickets für 490 Franken. Normalerweise werden solche Highlights verlost, doch heuer gelangen sie in den Verkauf. Wie das? Marc Reinhardt von Good News erklärt: «Das ist ein Angebot, das der Künstler so wollte und auch anbietet.» Für manch einen Fan des 18-jährigen Kanadiers ist das aber zu viel. «490 Franken, das ist einfach viel zu teuer», so ein Fan gegenüber 20 Minuten Online.

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