Strassenstrich : Ticketautomaten für Dirnen füllen Stadtkasse
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Strassenstrich Ticketautomaten für Dirnen füllen Stadtkasse

Die Billettautomaten für Sexarbeiterinnen brachten der Stadt Zürich im ersten Jahr 78'000 Franken ein. Die Prostituierten haben nichts von dem Geld.

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blu

Prostituierte, die in Zürich auf dem Strassenstrich anschaffen, müssen seit genau einem Jahr an einem Automaten ein Ticket für fünf Franken lösen. Damit dürfen sie eine Nacht lang in den dafür vorgesehenen Zonen Freier anwerben. 78'000 Franken schluckten die beiden Ticketautomaten in den ersten zwölf Monaten seit Inbetriebnahme, wie der «Tages-Anzeiger» berichtet. Die Stadt erzielte somit Einnahmen von rund 214 Franken pro Tag. Oder anders gesagt: Im Schnitt lösten täglich 43 Prostituierte ein Ticket.

Die beiden umgerüsteten Parkuhren stehen an der Gräblistrasse im Niederdorf und seit August beim Strichplatz in Altstetten. Letzterer befand sich zuvor am Sihlquai, wo die Einnahmen laut Polizeidepartementssprecher Robert Soos wesentlich höher waren. Die Gesamteinnahmen werden etwa weder zur Reinigung des Strichplatzes noch zur Prävention der Sexarbeiterinnen eingesetzt. Das Geld fliesst laut Soos in die allgemeine Stadtkasse.

FIZ verärgert über Verwendung

Dies passt der Zürcher Fachstelle für Frauenhandel und Frauenmigration (FIZ) gar nicht. «Ein Instrument mehr, um die Sexarbeiterinnen zu kriminalisieren», sagt Sprecherin Rebecca Angelini. Sie wisse von mehreren Fällen, in denen Frauen die Arbeitsbewilligung für das ganze Jahr entzogen wurde, weil sie mehr als drei Mal ohne Ticket erwischt worden waren. «Wenn die Stadt schon solche Einnahmen generiert, wäre es wünschenswert, sie würde das Geld zugunsten von Sexarbeiterinnen einsetzen», sagt sie. Die Situation der Prostituierten habe sich im Rahmen des Zürcher Massnahmenpakets gegen Sexarbeiterinnen massiv verschlechtert.

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