50 Betroffene: Tickets verkauft – obwohl es keinen Flieger gab
Aktualisiert

50 BetroffeneTickets verkauft – obwohl es keinen Flieger gab

Eine Fluggesellschaft aus Basel soll Tickets verkauft haben, ohne fliegen zu können. 50 Betrogene aus der Schweiz wollen nun eine Sammelklage einreichen.

von
Qendresa Llugiqi
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Viele der Betroffenen wollten von Basel nach Pristina fliegen.

Viele der Betroffenen wollten von Basel nach Pristina fliegen.

Keystone/Steffen Schmidt
Der Aufruf von Patrik Lleshaj und Ermira Orllati auf Facebook.

Der Aufruf von Patrik Lleshaj und Ermira Orllati auf Facebook.

Hier war Alba Reisen zuhause.

Hier war Alba Reisen zuhause.

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Die Fluggesellschaft Alba Reisen GmbH aus Basel soll zahlreichen Personen Tickets für Flüge von Basel nach Pristina verkauft haben, die gar nicht stattfanden. Kosovarische Medien gehen davon aus, dass so rund 500'000 Euro ertrogen worden sind. Wie viele Personen vom Betrug tatsächlich betroffen sind, ist noch unklar.

Eines der Opfer ist Patrik Lleshaj (21) aus Luzern. Auf Facebook hat er zusammen mit seiner Kollegin Ermira Orllati einen Aufruf gemacht: «Wer davon betroffen ist, soll sich bitte bei uns melden. Wir wollen alle möglichen Informationen sammeln und eine Sammelklage einreichen», so Lleshaj.

Ticket-Blase explodiert

Lleshaj sagt: «Unsere Familie wollte eigentlich vom 26. Juli bis zum 17. August in den Kosovo. Wir haben insgesamt acht Tickets in einem Gesamtwert von über 3000 Franken bestellt.» Die Tickets habe sein Vater bereits im Februar reserviert und auch bezahlt. «Er ist da persönlich vorbeigegangen, um zu sehen, was das für eine Agentur ist, weil sie relativ neu war», so Lleshaj. Doch wie viele andere erhielt auch er vor rund einer Woche die Meldung, das Flugzeug werde nicht starten.

«Schon seit einigen Wochen wurden einzelne Personen per SMS über den gecancelten Flug informiert oder erfuhren am Flughafen, dass der Flug nicht existierte», so Lleshaj. Geplatzt sei die Ticket-Blase aber erst, als überall die Sommerferien begannen und die Leute in den Kosovo fliegen wollten. «Bis dahin ist es nicht aufgefallen, weil es einzelne Leute betraf. Nun ging es aber um sämtliche Teilnehmer eines Fluges.»

Verdacht auf Betrug

Seit seinem Aufruf am Sonntag haben sich laut Lleshaj rund 50 Personen bei ihm gemeldet, die von Basel oder anderen Destinationen mit Alba Reisen nach Pristina fliegen wollten. «Sie alle sind traurig und wütend zugleich.» Auch seiner Kollegin tun die kosovarischen Reisenden aus der Schweiz leid: «Viele von ihnen sparen das ganze Jahr für diese Reise, damit sie ihre Familien besuchen können», so Orllati. «Nun ist das Geld aber weg und sie bekommen es vielleicht nie wieder.»

Die Staatsanwaltschaft Basel-Stadt bestätigt, dass Anzeigen gegen ein Reisebüro in Basel wegen Verdachts auf Betrug eingegangen sind: «Mehrere Personen haben ein Flugticket gekauft, können aber nicht fliegen», so Sprecher Peter Gill.

Kein Flieger vorhanden

Für das Chaos sind laut kosovarischen Medien die Geschäftsführer der im November 2014 gegründeten Fluggesellschaft Alba Reisen GmbH aus Basel und der Zweigstelle Alba Air in Kosovo verantwortlich. Zuerst konnte Alba Reisen von einer rumänischen Gesellschaft Flüge durchführen lassen. Weil diese aber im Verlauf dieses Jahres Kapazitätsprobleme bekam, konnte sie die Bedürfnisse von Alba Reisen nicht mehr erfüllen. Nach Monaten voller Schwierigkeiten und Annullierungen wurde der Vertrag aufgelöst und Alba Reisen stand ohne Flugzeuge da.

Beteiligter festgenommen

Dennoch verkaufte das Unternehmen weiterhin Tickets, so die Zeitung «Zëri». Kurzzeitig konnte es die Passagiere bei anderen Fluggesellschaften platzieren. Doch als auch dies nicht mehr klappte, verkaufte es weiterhin Flüge.

Am Mittwoch berichtete «Zëri», dass einer der Beteiligten im Kosovo in Haft sei. Zwar wurde den Betroffenen per SMS mitgeteilt, dass sie das Geld zurückbekommen würden, doch keiner glaubt es: «Das ist wieder nur eine Masche, damit die Leute nicht durchdrehen», so Lleshaj.

«Ich bitte Passagiere um Geduld»

Mit den Vorwürfen konfrontiert, antwortet der Geschäftsführer von Alba Reisen: «Bis am 18. Juli sind wir nach Plan geflogen.» Zwar habe es ab und zu Verschiebungen gegeben, aber bis zu diesem Datum hätten alle Fluggäste ihre Destination erreicht. «Wenn jemand heute nicht fliegen konnte, wurde er am Tag danach geflogen.»

Auf die Frage, ob die Opfer ihr Geld zurückerhalten werden, antwortet er: «Wir mussten Konkurs anmelden, aber das Geld das noch da ist, wird aufgeteilt werden.» Es sei nicht sein Versagen, dass die Fluggesellschaft untergegangen sei: «Es gibt einen Komplott gegen uns», so der Geschäftsführer. «Deshalb bitte ich alle Passagiere um Geduld bis die Justiz den Fall geklärt hat.»

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