Aktualisiert 06.02.2008 17:08

Tiefe Kurse machen Schweizer Firmen zu Kaufkandidaten

Auf den ersten Blick mag es angesichts der turbulenten Börsen und wachsender Unsicherheit nicht die richtige Zeit für Übernahmen sein.

Aber manche Schweizer Firma könnten wegen fallenden Aktienkursen in den kommenden Monaten zur Kaufkandidatin werden.

Experten erwarten, dass vor allem Industrie- und Biotechnologieunternehmen ins Visier von Käufern geraten. «Es gibt deutlich mehr Übernahmekandidaten als noch vor einem Jahr», sagte Vontobel-Analyst Patrick Laager: «Wir haben in der Schweiz rund 50 Namen identifiziert.»

Interessenten anlocken

Ob freiwillig oder nicht, die tiefen Kurse dürften Interessenten anlocken. «Gerade bei Firmen, deren Kurs sich innerhalb kurzer Zeit halbiert hat, liegt es auf der Hand, dass es zu Übernahmen kommen könnte», erklärte Fortunato Mastel vom Hedge Fund Nobu.

Biotechnologietitel wie Arpida oder Cytos haben zwischenzeitlich im Vergleich zu Höchstständen vom Vorjahr rund zwei Drittel des Kurswertes eingebüsst, obwohl sie kaum schlechte Nachrichten vorgelegt haben: «Da könnte ich mir vorstellen, dass Pharmakonzerne wie Roche oder Novartis einmal zuschlagen könnten», sagte Mastel.

Startschuss von Microsoft

Ein Investmentbanker einer kleineren Schweizer Bank erklärte, die Aktienmärkte dürften vor rund zwei Wochen den Tiefpunkt erreicht haben. «Das Angebot von Microsoft für Yahoo war der Startschuss», sagte der Banker. «In den nächsten Monaten werden wir auch in der Schweiz Übernahmen und Going Privates sehen.»

Dass ein Unternehmen von der Börse genommen wird, erwartet der Investmentbanker vor allem in Fällen, wo eine Familie oder ein anderer grosser Aktionäre eine hohe Beteiligung hält. Übernahmen und Delistings dürften sich auf kleine und mittlere Unternehmen konzentrieren.

Industriewerte im Zentrum

Den Branchenschwerpunkt für solche Transaktionen sehen die Experten bei den Industriewerten. Bei den Industriefirmen könnten nach Einschätzung der Bank Vontobel Unternehmen wie Rieter, Georg Fischer, die Industrieholding Cham, Feintool, Schweiter, Winterthur Technologie oder Uster Technologies ihre Unabhängigkeit verlieren.

(sda)

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.