Bildungsoffensive: Tiefe Maturaquote - BDP-Präsi will Handeln
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BildungsoffensiveTiefe Maturaquote - BDP-Präsi will Handeln

Obwohl St. Gallen die tiefste Maturitätsquote im Land hat, sieht der Kanton keinen Handlungsbedarf. Ganz anders der St. Galler BDP-Präsident Richard Ammann: Er fordert Massnahmen.

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Die St. Galler Maturitätsquote ist seit Jahren tief. (Symbolbild: KEYSTONE/Gaetan Bally)

Die St. Galler Maturitätsquote ist seit Jahren tief. (Symbolbild: KEYSTONE/Gaetan Bally)

Der Kanton St. Gallen hat mit 12,7 Prozent im Jahr 2013 die tiefste gymnasiale Maturitätsquote der Schweiz. Schon seit Jahren ist die Quote im Keller. Richard Ammann, Präsident der BDP St. Gallen, möchte das nicht mehr hinnehmen.«Die rote Laterne im Ranking ist kein Ruhmesblatt für St. Gallen», sagt Ammann gegenüber der «Ostschweiz am Sonntag».

Zur gegebenen Zeit werde er einen Vorstoss für eine Bildungsoffensive auf der Mittelschulstufe machen. Laut Ammann sollte sich St. Gallen auch im Bildungsbereich «zumindest am Durchschnitt orientieren». In der Schweiz absolvierte 2013 jeder Fünfte 19-Jährige eine gymnasiale Matura.

Felix Keller, Geschäftsführer des kantonalen Gewerbeverbandes St. Gallen, will davon nichts wissen. Er ist mit dem jetzigen Zustand zufrieden. «Die Durchlässigkeit funktioniert gut.» Gerade auch wegen der Berufsmatura.

Eine höhere Quote ist kein erklärtes Ziel

Für die tiefe Quote sieht Christoph Mattle, Leiter des St. Galler Amts für Mittelschulen, mehrere Ursachen. Was sicherlich nicht zutreffe, sei mangelnde Intelligenz der St. Galler. Dafür gebe es keinerlei Anhaltspunkte.

Vielmehr vermutet Mattle eine «kulturelle Distanz», wie die «Ostschweiz am Sonntag» schreibt. «Viele Eltern nehmen die Kantonsschulen eher als Eliteschulen wahr.» Die geographische Erreichbarkeit spreche mancherorts auch gegen die Kantonsschule. Mattle betont zudem, dass eine höhere Quote kein erklärtes Ziel sei, weder von der Regierung, vom Erziehungsrat noch vom Bildungsdepartement. Eine Steuerung sei ohnehin schwierig und man wolle den Lehrbetrieben nicht aggressiv junge Talente abwerben.

Dennoch bleibt die tiefe Quote nicht ohne Folgen. Mit rund 600 Lehrpersonen seien die sechs Kantonsschulen ein wichtiger Arbeitgeber für Hochschulabsolventen. Und an solchen mangelt es. «In sieben Fächern haben wir Schwierigkeiten, genügend gute Bewerberinnen und Bewerber zu finden.» Seit seinem Amtsantritt vor zwölf Jahren habe sich die Situation verschärft.

Quoten durch Information an Schulen steigern

Der Thurgau belegt mit einer Maturaquote von 13,4 Prozent den zweitletzten Platz; bei der Berufsmatura liegt er mit St. Gallen gleichauf. «Aufgrund des hohen Stellenwertes der Berufsbildung im Thurgau ist es verständlich, dass der berufliche Maturitätsweg gegenüber der gymnasialen an Bedeutung gewonnen hat», erklärt Bildungsdirektorin Monika Knill. Die Regierung will die Information an Schulen und in der Berufsberatung verstärken und dadurch die Quoten in dieser Amtszeit moderat steigern. «Eine Erhöhung der Gesamtquote im Bereich von ein bis zwei Prozent sehen wir als Erfolg.»

«Unser Problem ist die Berufsmaturität»

Mit einer Quote von 20,4 weist Appenzell Innerrhoden die höchste gymnasiale Maturitätsquote in der Ostschweiz aus. «Da stehen wir gut da», sagt Roland Inauen, Vorsteher des Erziehungsdepartementes. Eine Erhöhung sei kein Ziel. «Unser Problem ist die Berufsmaturität.» Mit einer Quote von 10,9 Prozent hinke sein Kanton dem Durchschnitt (14,1) hinterher.

Appenzell Ausserrhoden liegt bei der gymnasialen Matura (18,8 Prozent) und bei der Berufsmatura (13,9) annähernd im Schweizer Schnitt. «Insgesamt sind wir mit der Maturitätsquote zufrieden», sagt Peter Bleisch, Leiter des Amtes für Mittel- und Hochschulen und Berufsbildung.

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